26 Oktober 2012

Kabak tatlısı - Kürbis Süßspeise



Kulinarisch gesehen bin ich nicht so eine Süße. Objektiv betrachtet stimmt das nicht ganz. Denn obwohl ich Schokolade eher langweilig und zu trocken finde, stehe ich total auf Obst und Fruchtzucker. Für meine Kinder ist das nahezu schockierend, daß ich ohne Nutella&Co. groß geworden bin. "Arme Mami, hast du denn garnichts gehabt...?". Lach! Mein Naschkram, das waren Früchte jeglicher Art. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Maulbeeren, Kakis, Wassermelonen, Pfirsiche, Aprikosen, Granatäpfel, Erdbeeren, Trauben, Feigen, um mal das Obst zu nennen, was es oft gab. (Noch heute erkenne ich auf zig metern Entfernung, ob ein Baum eßbare Früchte trägt ;-)). Zudem hat die türkische Küche auch damals schon eine Fülle von Nachtischen geboten, die einer wie mir vor lauter Zuckergehalt die Fußnägel hochrollen läßt. Das war mir sogar als Kind zu süß. Die feine, aromatische Süße des Obstes war und ist es, welches mein Herz höher schlagen läßt. Das ist bis heute so geblieben. Ich bin heute noch ein großer Obstkonsument und gestehe, daß nicht alles saisonal oder regional ist, was bei uns zu Hause in der Obstschale landet.  Die Fülle von Süßigkeiten, denen meine Kinder allein schon außerhalb der heimischen Wände ausgesetzt sind, finde ich manchmal gruselig. Aber an eine Süßspeise aus meiner Kindheit habe ich mich wieder erinnert, welches auch ich geliebt habe: "Kabak tatlısı". Ich hatte immer mal wieder Rezepte mit Kürbis gesehen. Und da ich selber noch nie etwas mit Kürbis zubereitet hatte, habe ich sogar mal gewagt einen mitzunehmen. Bei der Gelegenheit habe ich auch mit meiner Tante in der Türkei telefoniert, die mir ihr Rezept durchgab. (Allerdings nimmt man wohl hierzu eher Kürbisse mit hellem Fleisch - welche das auch immer sein sollen. Ich habe das genommen, was da war: Hokkaido-Kürbisse. Diese habe ich kleingeschnitten, und mich gewundert, wie schwer das ging. Vielleicht wird es aber auch einfach nur wieder Zeit für einen Besuch von Erwin. (Meine Süßen haben gestern natürlich ganz normale Küchenmesser zum Schnitzen der Weidenruten benutzt ;-)...). Die Kürbisspalten sollten nicht dicker sein, als ein Finger - sagt meine Tante ;-). Das alles kommt in einen Topf ohne Wasser. Man schüttet lediglich Zucker darüber und vermengt alles miteinander. Bei 1 kg Kürbisfleisch nimmt man 500g Zucker. Da ich es nicht extrem süß mag, habe ich weniger Zucker genommen. Das ganze läßt man einen Tag in dem Topf ziehen. Am nächsten Tag gart man die Kürbisstücke im eigenen Sud. Wer nicht die ganze Zeit daneben stehen will, der geht auf Nummer sicher und füllt noch ein großes Glas Wasser (wer in der türkischen Küche auf genau Mengenangaben hofft, der ist verloren) in den Topf. Mit dem Piecks-Test sieht man, ob der Kürbis durchgegart ist. Serviert wird diese Kürbisspeise mit zuvor gerösteten, gehackten Haselnüssen, die darauf gestreut werden. Ich bin sehr gespannt, ob ich morgen geschmacklich das hinbekomme, was mir vorschwebt. Ich werde berichten.

Inzwischen habe ich die Süßspeise probiert. Mir hat sie sehr gut geschmeckt, wobei ich gestehen muß, daß ich natürlich dabei auch meine Kindheit schmecke. Man könnte das sicherlich noch verfeinern, aber ich möchte es weiterhin genau so genießen. Ich habe deutlich weniger Zucker genommen als angegeben. Nach einigen Stunden im Topf hatte sich bereits reichlich Sud aus den geschnittenen Kürbisstückchen im Topf gesammelt. Ich habe kein zusätzliches Wasser mehr genommen. Das alles habe ich auf niedrigster Stufe köcheln lassen, nur wenig und vorsichtig umgerührt, damit nicht alles vermatscht. Dann geröstete Haselnußstückchen drauf, wer mag ein Kleckschen Sahne... und lecker.

Kommentare:

  1. Da bin ich ja mal gespannt, denn da sist mir völlig fremd. Aus meiner Kindheit kenne cih ncoh süß-sauer eingelegte Kürbiswürfel dun die fand ich so schrecklich, dass ich erst vor ein paar Jahren wieder Kürbis gegessen habe - aber noch nie als Süßspeise. Ist das dann eine Art Kompott? Nur Kürbis und Zucker, kine Gewürze? Ich warte jetzt mal ab, was Du berichtest. Also ob es geschmeckt hat wie damals. :-)
    Über das Opferfest habe ich grade schon bei Jenmun(a) gelesen. Schön, dass man beim Bloggen auch darüber etwas erfährt.

    Herzlich, Katja

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  2. Liebe Katja, wir scheinen einen ähnlichen Geschmack zu teilen, was nicht nur Essen anbelangt. Kürbis-süß-sauer... auch bei mir kommen da übelste Erinnerungen auf. Einmalprobiert, danach nie wieder. Was Essensangewohnheiten angeht bin ich oftmals wie der vielgerühmte Bauer. Wenn mir etwas in der Vergangenheit geschmeckt hat, dann möchte ich es wieder GENAU SO haben und nicht anders. Da ich ziemlich ungeduldig bin, habe ich natürlich nicht bis morgen gewartet. Es hatte sich genügend Sud im Topf gesammelt, so daß ich es habe nun eine Weile darin schmurgeln lassen. Aber noch ist es zu früh zum Probieren.

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  3. Deine Obstaufzählung läßt gerade Urlaubserinnerungen hoch kommen;-) Doch ich mag auch eine bestimmte Sorte der türkischen Süßspeisen so gerne.
    Obst esse ich ebenfalls sehr gerne. Bei uns gibt es nach dem Abendbrot meistens eine Extraportion als Kontrast für die Süßigkeiten. Zum Glück mögen es die Kinder gerne.
    Dein Rezept hört sich gut an. Ich mag Kürbis in allen Varianten. Zweimal bekam ich Kürbis eingelegt mit Cidre. Das fand ich ja ganz köstlich, obwohl ich sonst nicht so gerne was mit Alkohol mag. Doch den Alkohol merkte man nicht.
    Ich mache höchstens einmal im Jahr eine Kürbissuppe. Die esse ich mit der Tochter alleine.

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