06 September 2012

Zuviel

Heute habe ich etwas angefangen, ohne großartig darüber nach zu denken, wieviel Arbeit es noch nach sich ziehen würde. Der Großteil meiner Sachen (und die der kleinen Herren) waren in Kisten und Kartons im Keller deponiert. Es fing ganz harmlos mit einem Karton an, den ich mit hoch schleppte, um seinen Inhalt zu durchsichten und entsprechend einzuräumen. Nach und nach holte ich noch weitere Kisten hoch. Ach was soll ich sagen: da hocke ich nun nahezu den ganzen Tag und schaue mir die tausend Dinge an, auf die ich seit Baubegin (am 19.September nun ein Jahr...seufz...) garkeinen Zugriff mehr hatte. Einiges hatte ich verzweifelt gesucht  (diese Dinge kamen aus der allerletzten Kiste zu Vorschein. Ist ja klar, oder?!), anderes schon komplett aus meinem Bewußtsein gestrichen. Vor Jahren zogen wir in ein nahezu leeres, großes Haus. Und ich bin entsetzt, wie voll es inzwischen geworden ist. Für meinen Geschmack viel zu voll. Die Dinge, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit mit dem Herzen erworben hatte, gefallen mir auch heute noch. Aber dieser ganze Kleinkram, der sich irgendwie wie zwangsläufig anzusammeln scheint - den würde ich am liebsten sofort wieder loswerden. Herrje, wer braucht denn soviel Zeug?! Mich belastet das einfach nur, und ich finde es grauenhaft, wenn in jedem Winkel zig Sachen lauern. Eigentlich war ich morgen mit meiner Freundin verabredet, aber das habe ich direkt wieder abgesagt. Morgen ist Arbeit angesagt. Viel Arbeit. Mal wieder. Aber das ist es mir wert, um hier wieder halbwegs durchatmen zu können. Manchmal, ja manchmal sehne ich mich in meine Kindheit und Jugend zurück. Es gab eher weniger, als mehr. Und doch war ausreichend von allem da, was man zum Leben brauchte. Ich erinnere mich daran, wie die Mädchen und Frauen abends Handarbeit machten. Die einen häkelten für die Aussteuer, andere strickten Pullover oder nähten Kleider. Damals, so denke ich, hatten die Dinge einen wirklichen Wert. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß es sowas wie geschmackliche "Fehlkäufe" gab, oder daß Dinge entsorgt wurden, weil sie einem plötzlich nicht mehr gefielen. Heute scheint das eher normal zu sein. In meinem Leben habe ich so gut wie nie einen Mangel erleiden müssen, auch wenn ich meine ersten Lebensjahre durchaus in einer Großfamilie verbrachte, deren älteste Generation schwerste Jahre zu meistern hatte. Ach, ich könnte noch soviel dazu schreiben... Früher war eben auch nicht alles nur gut, aber in dieser Hinsicht, damals nicht im Überfluß gelebt zu haben, danach sehne ich mich ganz schön häufig zurück.

Kommentare:

  1. Ach ach, irgendwoher kenne ich das doch...
    Wenn du das "Zuviel", was bei euch nach einem Jahr zum Vorschein kommt, auf zwanzig Jahre hochrechnest, dann kannst du dir vielleicht vorstellen, wovor mir zur Zeit angst und bange ist (wir ziehen nächstes Jahr um, und bis dahin muss ich unseren in einem großen Haus mit Keller angesammelten "Reichtum" soweit reduziert haben, dass er in eine Wohnung auf einem Stockwerk ohne viel Abstellplatz passt) - schon gut, wenn du es gar nicht erst so weit kommen lässt.
    Gutes Gelingen beim Aus- und Einräumen!
    Brigitte

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    1. Oh, das wird aber eine "Reinigung" werden... Da drücke ich Dir schon jetzt die Daumen, daß Du nach und nach Dich/Euch erleichetrn kannst.

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  2. Liebe Pünktchen,
    diese Ansammlungen erlebe ich in unserem Haus ähnlich und daher gibt es bei mir immer wieder Zeiten, wo ich ausmiste und oft nachdenke, welche Anschaffung wirklich Sinn macht. Gerade nach einem Urlaub fällt mir immer wieder auf, mit wie wenig Sachen man aus kommt. Das fühlt sich so viel leichter an.
    Viel Erfolg und Erleichterung für heute.
    Roswitha

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    1. Ja, in dieser Hinsicht sehne ich mich manchmal nach meiner alten Single-Wohnung, wo ich wirklich mehr als überschaubar eingerichtet war. Da gab es sehr viel "Freiraum".

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  3. Liegt es am Älterwerden, dass einem solche Erkenntnisse kommen? Ich versuche seit einem Jahr "Kram" loszuwerden. Es klappt auch in einigen Bereichen. Aber auf seltsamen Pfaden kommt doch einiges an Neuem immer wieder dazu. Ich bin mittlerweile recht konsequent, was irgendwelchen Deko-Kitsch angeht. Es ist viel schöner alte, liebgewonnene Teile immer mal wieder neu zu dekorieren und sich Sachen aus der Natur ins Haus zu holen. Und auch bei Klamotten ist es für mich einfacher geworden. Ich weiß, was ich mag und was mir steht - Mode hin oder her. Ich kaufe eigentlich kaum etwas spontan. Dann lieber etwas bessere Qualität und gleich ein paar Teile, die zusammen kombinierbar sind. Die trage ich dann aber auch länger.

    Mir wird immer ein bisschen Angst und bange, wenn ich an den Müllberg denke, den wir mit unserer "Lebensart" produzieren.

    Darum bleibe ich auch am Ball: aussortieren und weggeben, Konsumkontrolle, Qualität statt Quantität.

    Ich bin überzeugt davon, dass wir dafür mit einem entspannteren Lebensgefühl belohnt werden.

    Ganz viele liebe Grüße von Kirstin

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  4. Liebe Kirstin, ich weiß nicht, ob es wirklich am Älterwerden liegt, daß man es nicht mag, so zugeschüttet zu sein. Ich war schon immer so. Wenig, aber top Qualität - das war so lange ich denken kann mein Motto. Und letztlich sind es auch nicht die Sachen, die wir kaufen, sondern eher die, die man von Bekannten, Freunden, Familie bekommt. Dekokrempel gibt es bei uns so gut wie garnicht. Einpaar liebgewonnene alte Stück, ja. Wenn ich das Gefühl habe zu ersticken, dann muß ich ran. Es hilft nichts. Dann wird verschenkt und weggegeben, evtl. aufgewertet und anderweitig verwendet.

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  5. Ach, das kenn ich nur zu gut.
    Wir haben für Montag auch heut den Sperrmüll bestellt. Schwer fällts mir dennoch, zum Beispiel ist auch der Kinderwagen vom Rumpelwicht dabei, nur weil der untere Korb kaputt ist :-( und wir ihn seit 2 Jahren rumstehen haben...
    Kinderklamöttchen dürft ich auch mal aussortieren... Vielleicht mal ein Flohmärktchenblog?
    Wie sortierst du denn aus?
    Wünsch dir einen schaffensreichen Tag morgen und große Zufriedenheit dabei und danach.
    Herzliebe Grüße
    tüftelchen

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  6. Wie gesagt: das meiste, was wir uns angeschafft haben, das bleibt in der Regel. Es geht um diesen ganzen Kram, der sich zu allen möglichen Anlässen einfindet, und wo man irgendwann nicht mehr weiß, wohin damit. Es gibt Spendenhäuser, wo ich das meiste hinbringe. Dann gibt es Freunde, wo ich weiß, daß die sich genau SOWAS schon immer gewünscht haben. Da landet dann auch ein Teil. Ja, vielleicht mach' ich mal eine Sparte "Flohmarkt" auf auf meiner Seite.

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