30 September 2012

Statt Ausflug

 

Wir waren sehr lässig dieses Wochenende. Genüßlich wach werden, in Ruhe einige Milchkaffee schlürfen, etwas aufräumen... und dann in den Dienst der kleinen Herren treten.


Der jüngste Herr hatte sich zum letzten Geburtstag dieses Spiel gewünscht: "Lotti Karotti".


Flugs wurden die Figuren und Spielmaterialien auf den Tisch gepackt. Schnell die Spielanleitung studiert... und los ging's!


Ein sehr kurzweiliges Spiel, welches uns allen viel Freude bereitet hat. Das dauert bestimmt nicht bis zum nächsten Wochenende, bis wir dieses Spiel erneut spielen.

29 September 2012

Gesucht wird


In der Vergangenheit habe ich immer mal so süße, gestrickte Oberteile für kleine Mädchen im Internet gesehen (leider weiß ich nicht mehr wo). Ich weiß noch nicht einmal, wie die genaue Bezeichnung für solch' ein Teil ist. Weiß jemand, wo ich eine deutsche Anleitung finde?

28 September 2012

Alles auf Anfang


Wer strickt, der weiß, daß man manches Handarbeitsstück mehrfach strickt. Bislang war es bei mir so, daß ich hie und da nachträglich mal einen kleinen Fehler entdeckte und einpaar Reihen wieder aufribbeln mußte. Was ich aber heute zufällig entdeckte, das ist mir bislang noch nie passiert: Ich habe festgestellt, daß weder das Rückenteil, noch das inzwischen fertig gewordene, linke Vorderteil der beabsichtigten Größe auf meiner Anleitung entsprachen. Beide Teile entsprachen völlig unterschiedlichen Größen, aber keine davon der Beabsichtigten. Da war ich wohl mehr als unkonzentriert, als ich die Maschenanzahl anpeilte. Somit habe ich alles komplett wieder aufribbeln müssen. Der einzige Trost: das Garn ist eine Wucht! Fast freue ich mich darauf, es etwas länger als beabsichtigt zu verstricken. 

27 September 2012

Birthday present


Ich räume zwischendurch immer noch Kisten aus. Und dabei erlebe ich Überraschungen. Es gibt Dinge, die ich beinahe vergessen hatte.


Hier ein Film. Viele Jahre alt. Ich weiß garnicht, ob der schon verknipst ist, oder nicht. Woran erkennt man das eigentlich bei so einer Art von Film? Weiß das einer von Euch?


Der erste eigene Fotoknipser meines Lebens. Den bekam ich geschenkt  von meinen Eltern. 


Das Beste aber entdeckte ich beim Öffnen der Originalverpackung: eine Widmung meines Vaters. Und ein kleines Gedicht zu meinem 11. Geburtstag. Damals wie heute hat mir diese Überraschung die Tränen in die Augen getrieben.

25 September 2012

Baby-Alpaka


Ich liebe diese Wolle. Es gibt sie in 100g-Strängen und verschiedenen Naturtönen bestehend aus 50% Schurwolle, 50 % Alpaka.


Flauschig, weich, warm. Ein Genuß schon beim Stricken.


 Meine Tage sind mehr als voll zur Zeit. Abends bin ich total erschöpft. Dann schaffe ich es noch nicht mal mehr wenige Reihen zu stricken, wo ich doch nichts lieber täte als das.  


Der Übergang von glatt rechten Maschen zu Krausrippen hebt sich schön plastisch ab.

 Das Rückenteil ist bereits fertig. Und ich bin es auch und verabschiede mich zu sehr ungewohnt früher Zeit in meinen wohlverdienten Schlaf.

24 September 2012

Am Fluß


Gestern hat die Sonne geschienen. Von meinem Arbeitsplatz aus kann ich auf eine Mauer schauen, die mit Efeu bewachsen ist. Die Schmetterlinge haben sich dort  zu Hauff getummelt. Da unser Schmetterlingsstrauch den letzten Winter nicht überstanden hat, bin ich froh, daß ich dieses Schauspiel nun an anderer Stelle bewundern kann.


Wochenende! Das ist hier Familienzeit. Da nehmen wir die winkende Einladung der wunderschönen Natur um uns herum gerne an und gehen  gemeinsam vor die Tür.


Stundenlang könnte ich das Grünzeug im fließenden Gewässer beobachten, wie es sich sanft hin und herschlängelt.


Die kleinen Herren haben andere Ambitionen: während Sohn 2 hier sein Bötchen vom Ufer aus in's Wasser läßt, hat Sohn 1 zu Hause gesägt und ein eigenes Modell entworfen, was er vorzieht,  von der Brücke aus hinab zu  lassen. 



Während mein Mann dem Großen an die Hand geht, schweift mein Blick umher. Ich denke an den weit entfernten, rauschenden Fluß in der Türkei. In jenem Fluß, wenn er im Hochsommer nicht mehr ganz so reißend aus den Bergen daher kam, durften wir Kinder spielen und ihn stauen. Es gab viele Steine darin. Wir hatten so einen Spaß daran, unsere Tage dort zu verbringen. Was für herrliche Zeiten das waren. Sie gehören zu meinen schönsten Erinnerungen.


Wieder zu Hause drehe ich eine kleine Runde durch den Garten. Die Rosen von den Söhnen blühen ein zweites Mal. Ich finde sie einfach wunderschön und erfreue mich wie immer daran.


Dieses Jahr gibt unser Garten ansonsten nicht allzuviel her. Aber wenn ich die Äpfel sehe, dann freue ich mich unbändig. Ich weiß leider nicht mehr wie die Sorte heißt: sie sind klein, sehr knackig, saftig und süß. Also wunderbar! 



Und wenn die hier alle sein werden, dann gibt es gekaufte Äpfel. Wenn diese dann mehlig werden, werden sie gerne von den kleinen Herren verschmäht. Aber dank des Ratz-Fatz-Apfelschmarrn-Rezeptes von Maria, wissen wir, was dann zu tun ist :)...

23 September 2012

Erbe


Mit fünf Jahren bekam ich Stricknadeln von meiner Mutter geschenkt, und sie brachte mir geduldig das Stricken bei. Irgendwann brachte ich ein kleines Läpplein zustande, preßte es immer wieder gegen die Ferse meines Vaters und wollte auf diesem Wege Socken für ihn herstellen :). Es erfüllt mich mit großem Glück, daß ich vieles von dem weiter an unsere Söhne geben darf, was ich als kleines Kind selber beigebracht bekam.

18 September 2012

Zur Traubenzeit


Meine Großmutter väterlicherseits hatte armenische Vorfahren. Mit einem Altersunterschied von 17 Jahren verliebten sich mein Großvater Ibrahim und meine spätere Großmutter Leyla unsterblich ineinander. Ihre Eltern stimmten dieser Verbindung zu. Im Jahre 1935 wurde mein Vater als Vorletztes  von sieben Kindern in den Bergen der Schwarzmeerregion geboren. Die Familie durchlebte schwere Zeiten in großer Armut. Mein Großvater, der im osmanischen Reich so etwas wie eine Art Bezirks- oder Gemeindeleiter war, weigerte sich damals hartnäckig unter Atatürks Modernisierungsmaßnahmen für die Türkei, seinen Bart abzunehmen. So wurde er entlassen. Jahre der Entbehrung folgten. Die Familie lebte von dem, was die Landwirtschaft, mit einfachsten Mitteln erwirtschaftet,  abwarf. Mal gab es bessere Jahre, dann wieder sehr schlechte, in denen man sich nur ungenügend ernähren konnte. Typhus und Cholera waren in der Zeit keine Seltenheit. Die Kleidung für die harten Wintermonate war mehr als unzureichend. Die Kinder besaßen, wenn überhaupt, nur Hartgummilatschen, mit denen sie auch im Winter täglich kilometerweite Strecken durch den kniehohen Schnee zur Schule bewältigen mußten. Nach der Schule packten alle bei den täglich anfallenden Arbeiten an. Da waren auch die Kleinsten nicht außen vor. Die durften sich dann um den Stall und die wenigen Rinder kümmern, oder mußten noch jüngere Familienmitglieder in Schach halten. Warum ich das alles schreibe?! Ich finde es so ungeheuer wichtig nicht zu vergessen, woher man kommt. Heute feiern wir den Geburtstag meines Vaters, obwohl er vermutlich heute garnicht Geburtstag hat. Mein Großvater starb, als mein Vater 15 Jahre alt war. Meine Großmutter war zeitlebens Analphabetin. Befragt nach dem Geburtsdatum meines Vaters antwortete sie: "Du wurdest zur Traubenzeit geboren!" Das ist in jener Region der September. Später, als die Geburtsdaten gemeldet werden sollten, übernahm das irgendjemand aus der Familie. So wurde nach diesen ungenauen Angaben der 18.September als Geburtstag für meinen Vater erfaßt. 

Canim babam, vielleicht wurdest du nicht am 18. September geboren, sondern irgendwann davor, oder danach. Für uns ist einzig wichtig, daß Oma Leyla Dir vor 77 Jahren das Leben geschenkt hat. Mögen dede Ibrahim und babaanne Leyla in Frieden ruhen. Sie durften ein einfaches, oftmals auch ein schweres Leben leben. Aber sie waren stets aufrichtig und haben alles Menschenmögliche unternommen, damit du und deine Geschwister eine Chance auf Bildung erhalten konntet.

Babaanne Leyla war Analphabetin. Aber sie hatte auch das, was man wohl Herzensbildung nennt. Sie war eine unglaublich starke Frau, die ihren Mann und ihre Kinder sehr geliebt hat. Bis zuletzt stand sie tief gebeugt im Kartoffelacker, um einzelne Kartoffeln, die andere übersehen hatten, auszubuddeln. Dank ihr und den älteren Geschwistern konntest auch du ein Studium beginnen.  Was deine Mutter, meine Oma,  geleistet hat, das erfüllt mich heute noch mit großer Demut und Dankbarkeit. Ich bin glücklich, sie als eine ungeheuer liebevolle und warmherzige Oma etliche Jahre genossen zu haben. 

Canim benim, ich genieße sie auf ganz besondere Weise, die Traubenzeit. Ich danke Gott dafür, daß es diese Familie, daß es dich gibt. Alles Liebe und Gute von uns Vieren zum Geburtstag, mein Herz! Bleibe uns noch etliche Jahre erhalten. Mehr gibt es nicht, was ich wünschen kann.

17 September 2012

Meer


 


Meer

   Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren
und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen
Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen
nur Meer
Nur Meer
                                      (Erich Fried)      
 

16 September 2012

Plattes Land


Vereinzelt fällt das erste Laub von den Bäumen, Stürme wehen über's Land. Dazwischen aber gibt es trockene, manchmal sogar sonnige Tage. Die Wochenenden gehören der Familie.


Die Zeit, die wir zu Viert haben, versuchen wir effektiv mit unseren Kindern zu nutzen. Hier, wo wir leben, ist das platte Land. Nicht umsonst sagen die Menschen: "Hier kannst Du drei Tage vorher sehen, wer zu Besuch kommt..." Was soll ich sagen: es stimmt! Hier Fahrrad zu fahren stellt überhaupt keine Herausforderung dar. 


Nur unser jüngstes Kind muß bei solchen Ausflügen immer wie ein Affe auf dem Schleifstein in die Pedale treten, während wir anderen recht gemütlich vor uns hinrollen. Wie gut, daß es da den Turbo-Booster durch Papa's Arm gibt ;-)...


Und wieder einmal geht's vorbei an Maisfeldern.


Die hier nennt man Galloways. Ziemlich zurückhaltende Gesellen sind das. Wir füttern sie immer wieder gerne mit Apfelschnitten.




Ich mag den Wechsel von Tannen- und Laubwäldern.


Ich mag diese Alleen, umsäumt von alten Bäumen. Und der Wind säuselt so herrlich durch das Laub. Meine Liebsten im Blick lasse ich mich treiben.



Ausgelassene Kühe, die wild umherspringen sieht man auch nicht alle Tage, oder?!


Der eigentliche Grund, weshalb wir heute einen Ausflug machen ist dieser Mini-Grill. Sohn1 ist der Grillmeister. Er ist sehr an Technik interessiert, somit auch an diesem Mini, den man erst mal zusammen schrauben und stecken muß. Ja, da hat der Papa wieder etwas Feines aufgetrieben.


Mit Geduld und Spucke ist das Feuer endlich an, und die Kohle glüht.


Für jeden gibt es genau ein Würstchen.


Und weil das etwas knapp bemessen war, packten die kleinen Herren schnell noch die Geheimwaffe aus: warum nicht auch mal Plätzchen kurz auf den Grill legen?! Der Zucker karamelisiert und gibt einen feinen Geschmack ab. Jetzt schnell noch aufräumen und alles sauber hinterlassen für andere Frischluft-Fanatiker.


Los geht's zurück nach Hause, bevor es dunkel wird.

14 September 2012

Hoşgeldin babaciğım!


Wir zählen die Tage. Es herrscht freudige Aufregung seit Wochen.


Kleine Hände wechseln sich ab beim Ausmalen. Vieeel Ausdauer ist gefragt für den Banner.


Es ist eine ordentliche Strecke  bis zum nächsten Flughafen. Voller Stolz trägt Sohn1 unseren in Gemeinschaft selbst gemachten Begrüßungsbanner für den geliebten Opa.


Warten...


Und noch viel länger warten...


Endlich dann ist er da: mein Vater! 

Als Allerletzter kommt er durch die Absperrung. Es ist so überwältigend, sich wieder in den Armen zu liegen.

Diese Bilder sind von 2009. Ich weiß noch wie gestern, wie sehr sich mein Vater über diesen herzlichen Empfang der kleinen Herren gefreut hat. Heute ist es wieder soweit: Mein Mann hat ihn gerade mit Sohn1 am Flughafen abgeholt. Ich hingegen mußte zu Hause bleiben, da zeitgleich auch Sohn2 von seiner Abschiedsübernachtung des Kindergartens in einer anderen Stadt nach Hause kommt. Eigentlich gibt es also doppelten Grund zur Freude. Und doch bin ich auch traurig. Seltsamerweise kann ich unsere Söhne gut ziehen lassen, denn ich weiß, sie werden immer wieder kommen. Manchmal werde ich rührselig dabei, aber das ist wohl so und nicht ungewöhnlich. Bei meinem Vater ist es anders. Was für Veränderungen werden mir dieses Jahr auffallen? Von Jahr zu Jahr bemerke ich die Alterserscheinungen.  Überdeutlich, wenn man sich nur einmal im Jahr sieht. Und mein Herz zittert, wenn ich immer wieder insgeheim dafür bete, daß uns noch etliche Jahre vergönnt sein mögen. Amen!

13 September 2012

Beruhigungspille zur Nacht


Am frühen Morgen, bevor ich das Haus verlasse, muß ich mir seit einigen Tagen wieder einen Mantel überwerfen. Es ist deutlich kühler geworden. Und als gäbe es einen Schalter, der dann wie von unsichtbarer Hand betätigt wird, erwacht in mir sogleich das Verlangen nach Handarbeit. Ja, es ist wieder soweit: ich habe die dritte Häkeldecke begonnen. Keine Wellenmuster wie schon gehabt, sondern ganz schlichte Stäbchenreihen. Ansonsten bin ich ja eher zurückhaltend mit Farben in der Einrichtung, aber wenn es um Häkeldecken geht, kann es mir nicht bunt genug sein. Und am liebsten habe ich eine unregelmäßige Farbanordnung. Die nächsten drei bis vier Monate bin ich abends also gut versorgt. Am Ende gibt es eine weitere große Decke für die Familie. Wir benutzen sie alle gerne.


Aber nicht genug damit habe ich dieser gewalkten Wolle nicht widerstehen können. Seit Jahren habe ich nichts Größeres  mehr für mich gestrickt. Und eine schöne Strickjacke wollte ich schon länger haben. Dabei bin ich bei diesem Modell hängen geblieben. Die Wolle besitze ich schon seit längerem, aber irgendwie habe ich es bisher nicht geschafft (außer Babysöckchen), etwas daraus zu stricken. Irgendwie hat der Tag nie ausreichend Stunden, um auch nur halbwegs das umzusetzen, was mir vorschwebt. Aber das kennt Ihr ja auch, nicht wahr?!



Was ich schmunzelnder Weise genieße ist, wenn meine ganze Männerschar es hier unverhohlen einfordert, daß ich abends zur Handarbeit greife. Offensichtlich hat diese Tätigkeit eine übergreifend beruhigende Art auf alle ;-).

06 September 2012

Zuviel

Heute habe ich etwas angefangen, ohne großartig darüber nach zu denken, wieviel Arbeit es noch nach sich ziehen würde. Der Großteil meiner Sachen (und die der kleinen Herren) waren in Kisten und Kartons im Keller deponiert. Es fing ganz harmlos mit einem Karton an, den ich mit hoch schleppte, um seinen Inhalt zu durchsichten und entsprechend einzuräumen. Nach und nach holte ich noch weitere Kisten hoch. Ach was soll ich sagen: da hocke ich nun nahezu den ganzen Tag und schaue mir die tausend Dinge an, auf die ich seit Baubegin (am 19.September nun ein Jahr...seufz...) garkeinen Zugriff mehr hatte. Einiges hatte ich verzweifelt gesucht  (diese Dinge kamen aus der allerletzten Kiste zu Vorschein. Ist ja klar, oder?!), anderes schon komplett aus meinem Bewußtsein gestrichen. Vor Jahren zogen wir in ein nahezu leeres, großes Haus. Und ich bin entsetzt, wie voll es inzwischen geworden ist. Für meinen Geschmack viel zu voll. Die Dinge, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit mit dem Herzen erworben hatte, gefallen mir auch heute noch. Aber dieser ganze Kleinkram, der sich irgendwie wie zwangsläufig anzusammeln scheint - den würde ich am liebsten sofort wieder loswerden. Herrje, wer braucht denn soviel Zeug?! Mich belastet das einfach nur, und ich finde es grauenhaft, wenn in jedem Winkel zig Sachen lauern. Eigentlich war ich morgen mit meiner Freundin verabredet, aber das habe ich direkt wieder abgesagt. Morgen ist Arbeit angesagt. Viel Arbeit. Mal wieder. Aber das ist es mir wert, um hier wieder halbwegs durchatmen zu können. Manchmal, ja manchmal sehne ich mich in meine Kindheit und Jugend zurück. Es gab eher weniger, als mehr. Und doch war ausreichend von allem da, was man zum Leben brauchte. Ich erinnere mich daran, wie die Mädchen und Frauen abends Handarbeit machten. Die einen häkelten für die Aussteuer, andere strickten Pullover oder nähten Kleider. Damals, so denke ich, hatten die Dinge einen wirklichen Wert. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß es sowas wie geschmackliche "Fehlkäufe" gab, oder daß Dinge entsorgt wurden, weil sie einem plötzlich nicht mehr gefielen. Heute scheint das eher normal zu sein. In meinem Leben habe ich so gut wie nie einen Mangel erleiden müssen, auch wenn ich meine ersten Lebensjahre durchaus in einer Großfamilie verbrachte, deren älteste Generation schwerste Jahre zu meistern hatte. Ach, ich könnte noch soviel dazu schreiben... Früher war eben auch nicht alles nur gut, aber in dieser Hinsicht, damals nicht im Überfluß gelebt zu haben, danach sehne ich mich ganz schön häufig zurück.

04 September 2012

Lebensfreude


Jetzt, da das Freibad geschlossen hat, haben wir mit einem Mal mehr Zeit für andere Dinge. Und gestern war wirklich ein so herrlicher, lauer Sommerabend, da haben wir uns kurzerhand erneut auf die Fahrräder geschwungen. Wollt ihr mit?! (Übrigens habe ich nun seit über einem Jahr meine Leser gesiezt - dafür haben mich ausnahmslos alle geduzt ;-). Nach dieser Zeit biete ich Euch nun offiziell das "Du" an ;-)).


Vorbei ging's an Maisfeldern, die es hier bei uns zu Hauff wegen der Biogasanlagen gibt. Das sehen viele Menschen mit Besorgnis. Man befürchtet dauerhafte Monokulturen mit all ihren negativen Folgen für die Natur und die Umwelt. 


Hagebuttensträucher entlang unseres Weges, so weit das Auge reicht. Richtig hübsch anzusehen.


Ein freies Feld bot sich zum Austoben an. Die kleinen Herren haben ordentlich in die Pedale treten müssen. Wo hat man schon solche Möglichkeiten quasi vor der Nase?

  
Einen Heißluftballon konnten wir direkt am Himmel begrüßen. Und obwohl ich garnicht mehr gerne fliege, könnte ich mir vorstellen mit meinen Liebsten mal auf diesem Wege abzuheben.

 
Das jüngste Familienmitglied ist in der Natur stets voller Lebensfreude und zeigt das auch. Da blubbert mein Herz vor lauter Glück. Nicht umsonst sage ich immer, daß die einfachsten Dinge die größten Freuden bescheren.


Ist das nicht ein friedliches Fleckchen Erde?! Grasende Kühe auf der Weide im Abendlicht haben uns im Nu verzaubert. Ein leichter Wind trägt ihren Duft zu uns herüber. Ob die aber wirklich glücklich sind, das vermag ich nicht zu sagen.


Ehrlich: so aus nächster Nähe macht mich solch' ein Bulle schon etwas nervös. Es dauerte nicht lange, bis wir mit dem Bauern ins Gespräch kamen. Er erklärte uns sehr freundlich, daß der Gute einen Auftrag hat. Er muß noch einige Kühe decken. Bestimmt kennt ihr diese Karrikaturen von Bullen, aus deren Nüstern Feuer kommt. Ja, glaubt es oder nicht, während wir da stehen und reden, da hat der einmal so geschnaubt, daß es aussah, als würden ihm Dampfschwaden aus den Nüstern kommen. Höchst beeindruckt waren die kleinen Herren - und ich sowieso. Da spürt man erst mal, was da für ein Kraftpaket vor einem steht. Und es beruhigt ungemein, daß der Drahtzaun unter Strom steht. Oh ja.


Fast haben wir die Zeit vergessen, so viel gab es mit dem Bauern noch auszutauschen. Plötzlich brach die Dunkelheit herein. Damit umgab uns ein ganz anderer Zauber. Beinahe lautlos machten wir uns in der Abenddämmerung auf den Rückweg.


Ich liebe das, mit den kleinen Herren in der Natur unterwegs zu sein. Das ist Lebensfreude pur. Das Leben ist so reich, so "überreich", würde Sohn 2 jetzt sagen. Man muß es nur genießen können.