15 Juli 2012

Erinnerungen


Dieser Tage blüht das Geißblatt und lockt mit seinem verführerischen Duft dicke Hummeln an. Im Türkischen heißt das Geißblatt "Hanim eli". Das bedeutet: "die Hand einer Dame". Ich mag meine Muttersprache. Sie ist sehr bildhaft, hat etwas Melodisches, so ein Singsang wohnt ihr inne. Meine Stimme verändert sich unweigerlich, wenn ich türkisch spreche. Für deutsche Ohren klingen die reichlich vorhandenen Umlaute hervor. Nicht selten trägt das zur allgemeinen Belustigung herbei. Ich weiß noch genau, wie sich die deutsche Sprache für meine kindlichen Ohren damals anhörte, als ich das erste mal damit konfrontiert wurde. Es war mir damals so, als hätten alle ein riesiges Stück Gurke im Mund, versuchten diese zu kauen und zeitgleich zu sprechen. Lustig fand ich das. Und an meine ersten Worte kann ich mich noch zu  genau erinnern: "Moin moin!" schmetterte ich jedem im Hausflur entgegen - bei jeder Begegnung versteht sich ;-)... Für uns Türken ist Deutsch eine unglaublich schwierig zu erlernende Sprache (man kann sie einfach von nichts anderem, was einem bekannt wäre ableiten). Es sei denn, man lernt sie als Kind. Das, was Erwachsene sich mühsam in's Hirn meißeln müssen, atmet ein Kind quasi mit ein. Ein halbes Jahr nur - und man hat's... Erwachsene benötigen da Jahrzehnte. Und das mit meist dürftigem Erfolg.


Heute habe ich tatsächlich das erste Bild in unserem Schlafzimmer aufgehängt. Meine liebe Freundin hat es mir zum letzten Geburtstag geschenkt. Ich mag die freundlichen Farben, das was da so einfach anmutet. Wann immer ich aus unserem Schlafzimmer gehe, sehe ich es und freue mich daran. Der weiße Bilderrahmen hätte nur gut eine andere Wandfarbe vertragen können. So muß ich stets an den Spruch denken - weißer Adler auf weißem Grund ;-)


Nahezu den ganzen Tag über haben wir dunkle Wolken am Himmel. Nur gegen Abend, da plötzlich kommt auch etwas Sonne dazu - und dann... gehen wir auch bei 14°C und Nieselregen in's Freibad. Und das ist soooo herrlich, tut so gut. Mit Mann und Maus zu schwimmen, umher zu tollen, den kleinen Kunststückchen der kleinen Herren zu applaudieren. Und ein bißchen verrückt sind wir. Mein Mann taucht meist am Beckenboden entlang. Ich schwimme quasi auf halber Höhe?/Tiefe über ihm - und über mir sehe ich die kleinen Körper unserer Söhne durch's Wasser gleiten. Und wenn man sich einwenig umschaut - so unter Wasser meine ich - dann sehen die korpulenteren Körper deutlich interessanter und lustiger aus als die hageren.


Die Rose von Sohn1, oder was die heftigen Regenfälle davon übrig ließen...


Das sind die Rosen von Sohn 2 - sie blühen üppig und normalerweise duften sie auch noch wunderbar. Aber genau so, wie's momentan kaum Erdbeeren mit Geschmack gibt, fehlt auch den Rosen die Sonne.


Diese Rose hat sich zwischen der Tanne hervor gekämpft. Ihre Farbe haut mich fast um, so schön ist dieses Rotorange.  Das erinnert mich an einen ganz bestimmten Lippenstift meiner Mutter, den sie so gern hatte und manches mal auflegte. Ich war dann voller Bewunderung für meine inniglich geliebte Mama. Sie war so ein warmherziger, charmanter, mutiger und besonderer Mensch. Eine echte Augenweide war sie noch dazu.

Was für Erinnerungen beim Anblick von einpaar Blumen hochkommen können...

Kommentare:

  1. So schöne Erinnerungen und Fotos.
    Ich mag die türkische Bildsprache sehr gerne, schön, dass Du uns hier davon erzählst. Ich komme mir dann vor wie im Märchen.
    Bei der Gurke im Mund, musste ich lachen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut Du deutsch schreibst, denn Du bist ja schon Schulkind gewesen, als Du nach Deutschland kamst. Da geht es zwar schneller eine neue Sprache zu lernen als bei Erwachsenen, aber sicher schwieriger als bei kleinen Kindern.
    Der weiße Rahmen um das Bild gefällt mir sehr gut, alleine die Schatten durch den Höhenunterschied von Wand und Bilderrahmen reichen völlig aus als Rahmen. (Der ja schon recht dominant ist.) So ist das Bild noch Mittelpunkt. Stelle ich mir eine andere Farbe vor, selbst ganz zart, wäre es für mich schon eine zu große Ablenkung vom Bild.
    Danke für die Rosenbilder!!! Und das geschriebene Bild von Deiner Mutter. Wie schön, Deine Dankbarkeit zu spüren.
    Herzlich Roswitha

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  2. Liebe Roswitha, wie gut wir uns verstehen. Beinahe auch wortlos, nicht wahr? Ja, die Rosenbilder der Söhne waren - wie versprochen - für Dich! Trotzdem ich schon als Schulkind nach Deutschland kam, war ich doch noch jung genug, daß mir das mit der Sprache überhaupt nicht schwer fiel. Man sagt, daß bis ca. zehn Jahren Kinder sehr Aufnahmefähig sind. Da ist was dran. Das Bild bekam ich bereits eingerahmt geschenkt, und es gefiel mir auf Anhieb. Umgeben zu sein, von so schönen Dingen, die auch noch von mir so lieben Menschen für mich gemacht wurden... kann es etwas Wertvolleres geben? Wenn ich könnte, würde ich meiner Mutter ein Denkmal errichten - nicht aus Stein. Eines, was aus meinem Herzen kommt. Noch immer schmerzt es mich ungemein, sie nicht mehr sehen, spüren, riechen, hören zu können. Ich kann garnicht weiter schreiben, weil dann sofort wieder die Tränen fließen. Irgendwann später vielleicht.

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  3. Das sind schöne poetische Bilder und Texte dazu.
    Deine Beschreibung der deutschen Sprache finde ich lustig. Ich frage mich häufig, wie unsere Sprache für Menschen mit anderer Muttersprache klingt. Gurke also, aha :-)!

    Hab´einen schönen Sonntag!

    Liebe Grüße von Kirstin

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  4. Das sind die Eindrücke eines einstigen Kindes ;-)...

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  5. Wunderbar, diese Erinnerungen in den poetischen Worten und Bildern... die Vorstellung, dass ihr da bei diesen Temperaturen schwimmt, bringt mich zum Schmunzeln :)
    Alles, alles Liebe. maria

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  6. Wie immer ein wunderschöner Post voller Herzenswärme.
    Euer Durchhaltevermögen bewundere ich - bei den Temperaturen gehe ich nicht ins Freibad, da bin ich ganz Warmduscher... ;-)

    Zu den Seifenblasen gibt es die Woche noch einen Extrapost, bis dahin versuche ich die richtige Mischung herauszubekommen...

    Herzlicher Gruß,
    Katja

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  7. Liebe Katja, wäre das Freibad nicht in unmittelbarer Nähe (da rafft sich offenbar der innere Schweinehund eher auf...), wären wir vermutlich auch nicht so oft dort. Aber gerade bei diesen Temperaturen, und unter 20°C bei bewölktem Himmel, gehört uns das Bad fast alleine. Das ist Luxus pur! Manchmal kommt's mir so vor, als gehörten wir zum Inventar ;-).

    Oh, und den Extra-Post zu den Seifenblasen und der gelungenen Mischung kann ich's kaum abwarten. Bei dem tristen Wetter wäre das wirklich eine tolle Abwechslung. Ich freue mich schon jetzt auf die Rezeptur. Really! Und wenn sie Dir nicht gelingt, liebe Katja, WEM DANN???

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  8. Wunderschöne Rosen.

    Meine Schulfreundin ist Türkin. Ich hab es auch immer als melodisch empfunden wenn sie türkisch sprach.

    Früher war ich auch bei jedem Wetter schwimmen. (Heute ist kein Bad in meiner Nähe, leider). Ich hab es geliebt nahezu allein dort zu sein.

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