27 Juli 2012

Ein Leben ist nicht genug


Vor etlichen Tagen wurde ich von MollyMonkeys "getagged". Zum Thema "Bunt" durfte man sich austoben. Aber, was soll ich sagen: ich habe so garkeinen Bedarf, dieser an und für sich netten Geste nachzukommen. Ich habe Tage verstreichen lassen, weil ich dachte, daß es dann leichter würde. Wurde es nicht. Nein, mir gehen derzeit ganz andere Dinge durch den Kopf. Man möge mir das verzeihen. Mein Papa wird uns in Kürze wieder verlassen. Und obwohl ich das seit Monaten weiß, fällt es mir so unendlich schwer, ihn ziehen zu lassen. Immer, wenn er zu Besuch kommt, dann fällt mir überdeutlich auf, wie schnell die gemeinsame Zeit verrinnt. Normalerweise sagt man, daß die Zeit mit Kindern einem in Siebenmeilenstiefeln davon rennt. Kaum jemand thematisiert, daß das genau so der Fall mit älteren Menschen ist. Als würde die Kerze an zwei Enden brennen... Irgendwann kommt der Zeitpunkt, der einem deutlich vor Augen führt, wie schnell das Alter voran schreitet, die Gebrechen mehr und mehr werden, die physischen Möglichkeiten sich in gleichem Maße einschränken. Und obwohl das der Gang der Dinge ist, blutet mir das Herz. Wir hätten so gerne, daß er dauerhaft bei uns lebt. Und ich glaube, daß er uns diesen Wunsch nur aus Rücksichtnahme verwehrt. Wer möchte schon eines Tages eine "Last" für sein Kind und dessen Familie werden?! Dabei empfinden wir ihn stets als Bereicherung. Immer! Abschiede sind nicht für mich gemacht. Ich bin so miserabel darin. Sie kosten mich unendlich viel Kraft. Und dennoch bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren Liebsten schweren Herzens ziehen zu lassen. Es ist sein ausdrücklicher Wunsch, in der alten Heimat zu leben. Und wenn man jemanden so sehr liebt, dann läßt man ihn immer wieder wissen, wie sehr man seine unmittelbare Nähe, seine Gedanken, Güte und große Liebe schätzt. Man läßt ihn ziehen und hofft auf ein baldiges Wiedersehen.

Kommentare:

  1. Ich wünsche Dir viel Kraft für diese schwere Zeit.

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  2. Gottlob hat mein Vater trotz der gesundheitlichen Einschränkungen immer noch viel Freude am Leben. Da ist er mir ein absolutes Vorbild. Ich wünschte nur, wir hätten einfach immer bei uns.

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  3. Liebe Pünktchen,
    das treibt mir einen dicken Kloß in den Hals und mir sitzen die Tränchen in den Augen. Wie schön, dass Du so eine große Liebe für Deinen Vater empfindest. Das kenne ich nur von meiner Omi, die mich praktisch die ersten zwei Lebensjahre hauptsächlich betreut hat. Sie kam später, wenn möglich, alle Jahre zu uns für drei bis vier Wochen. Dieser Abschied fiel mir auch immer so schwer.

    Ich bin in Gedanken bei Dir und halte diese Abschiedsgefühle mit aus.
    Alles Liebe
    Roswitha

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    1. Liebe Roswitha, ich Danke Dir für Deine Anteilnahme. Ich war einfach krank vor lauter Abschiedsschmerz. Ab Morgen heißt es wieder Abschied nehmen - aber ich beginne damit schon etliche Tage vorher.

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  4. Ich lese gerade, Du warst krank. Ich hoffe, das kam nicht von der vielen Arbeit letzte Woche. Falls Du es noch brauchen kannst - gute Besserung.
    Roswitha

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  5. Ist das schön, solche Worte für den Vater zu finden.
    Mein Vater wird zunehmend dement - es ist schwierig mit ihm, das kann ich nicht beschönigen. Und doch: auch dieses sein Zurückkehren zu so kindlichen Verhaltensweisen ist etwas Besonderes für mich.
    Alles Liebe. maria

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  6. Liebe Maria, ich kann nachvollziehen, was Du meinst. Jede Phase, sei sie auch noch so sehr mit Schwierigkeiten gepflastert, hat etwas Besonderes. Nur kann sie nicht jeder so wahrnehmen. Schön, daß Dir das gelingt.

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  7. Vielen Dank für deine lieben Glückwünsche, ich hab mich sehr darüber gefreut.

    Abschiede von geliebten Menschen sind immer schwer - umso schwerer, wenn man weiß, man wird sie nicht bei gleicher Gesundheit und Fitness wiedersehen. Meinem Vater geht es gesundheitlich nicht gut, und je mehr es bergab geht, ohne Hoffnung, dass es auch wiedre besser werden kann, desto schwieriger wredne Abschiede und desto mehr wird einem bewußt, dass das Leben endlich ist.
    Ich wünsche Dir noch viel schöne Jahre udn ganz viel gemeinsame schöne Zeit mit deinem Papa und Eurem Opa.

    Herzlicher Gruß,
    Katja

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    1. Liebe Katja, vielen Dank für Deine guten Wünsche. Ich habe schon einmal schmerzlich erfahren müssen, einen inniglich geliebten Menschen durch schwere Krankheit gehen lassen zu müssen. Und trotzdem diese Zeit zu den schwersten Jahren meines Lebens gehörte, waren glückliche Momente zu Hauf vorhanden. Ich wünsche Dir, in dem weniger werdenden mit Deinem Papa ganz viele besondere und innige Momente. Alles Liebe.

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