16 April 2012

Der heutige Tag


Der Zweitanstrich ist auf der Tapete. Jetzt muß alles nur noch trocknen. Ich hoffe nicht, daß wir noch großartig nachpinseln müssen. Es gibt noch sooooo viel anderes zu tun. Ich muß zugeben, daß ich es am liebsten sehr minimalistisch und lichtdurchflutet mag. Auch dieser Raum ist sehr hell, nur habe ich dieses Bild erst sehr spät am Abend geschossen. Früher, also zu meinen Singlezeiten, da hatte ich Wohnungen, die sehr "übersichtlich" waren. Dafür befand sich auf meiner Terasse ein grüner Djungel bestehend aus meterhohen Bäumen aller Art. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich erstmals Besuch von einem Freund erhielt, der nach dem Umsehen in der Wohnung zu mir sagte: "Oh, ich wußte garnicht, daß Du eben erst hier eingezogen bist...!"  Da wohnte ich bereits fünf Jahre in dieser Wohnung. Ja, ich bevorzuge relativ leere Räume, in denen man auch einige Meter gehen kann, ohne auf das nächste Möbel zu stoßen. Mit Farbe an den Wänden habe ich es auch nicht so. Es darf alles ruhig "clean" rüber kommen. Ansonsten fühle ich mich so ziemlich überall wohl. Ich habe keine Probleme damit, wenn sich andere Menschen komplett anders einrichten als ich. Aber zu Hause... Seitdem wir eine Familie gegründet haben, läßt sich das mit dem Minimalismus nicht wirklich halten. Es ist voller und bunter geworden hier.
 

Zwischendurch haben unsere Jungs uns auf unserer Baustelle oben immer mal wieder beehrt. Gucken, was Papa und Mama den halben Tag da treiben, ob es sichtbare oder anders meßbare Fortschritte zu verzeichnen gibt. 


Ein toter Vogel, den unsere Jungs im nahegelegenen Park entdeckt haben, brachte uns dazu,   unsere Arbeit zu unterbrechen. 


 Gemeinsam haben wir den kleinen Vogel unter einem großen, schönen Baum beerdigt.


Ich hatte mich schon seit längerem über den Dompfaff gewundert, der immer wieder bei uns im Garten auftauchte. Als ich heute etwas aufmerksamer hinschaute, was das unscheinbare Weibchen da so treibt, da habe ich das künftige Nest an unserem Haus entdeckt. Ja, während der eine sein Leben lassen mußte, sorgt hier das Dompfaff-Pärchen für das zukünftige Leben. Ich bin sehr gespannt und werde das Nest neugierig vom Küchenfenster aus beäugen. 


Ich habe bis zum Abend u.a. die fünf verschiedenen Tapetenschichten an dieser Wand abgerissen. Nicht gerade meine Lieblingstätigkeit.


Irgendwann habe ich meine Kinder nicht mehr gehört. Spätestens dann treibt es mich raus, um zu sehen, was sie so treiben. Der Kleine hatte einen spitzen Stock gefunden, mit dem er den Grünanlagen-Pfleger mimte und Blätter vom Boden aufpickte. Herrlich, was Kindern so alles einfällt.


Nachdem ich wochenlang nur gespachtelt habe, kommt nun die Phase, in der ich mir eine Staublunge hole. Herrje, die Schleiferei macht mächtig Krach, und sooooo viel Staub.  Die beiden Geräte sind nun für die nächsten Tage meine ständige Begleitung. Ich mache drei Kreuze in den letzten Staub, wenn diese Phase irgendwann auch der Vergangenheit angehören wird.


In der Abenddämmerung habe ich aufgehört weiter zu schleifen, während mein Mann bestimmt noch eine ganze Stunde ohne mich fleißig war. Das Duschen am Ende eines solchen Tages ist für mich die äußere Menschwerdung. Ich kann es dann kaum noch abwarten, bis ich mir den Schweiß, den Staub und sonstigen Dreck aus den Haaren und von meinem Körper waschen kann. Bevor es aber so weit war, habe ich mir noch lange die obersten Zweige des Eßkastanienbaumes vor den Kinderzimmerfenstern angesehen. Täglich schaue ich sie mir an. Ich kann es kaum noch abwarten, bis die ersten grünen Blätter sichtbar werden. Für mich ist erst dann Frühling, wenn wirklich alle Knospen aufplatzen, und es kein Halten mehr gibt für das Grün, bis es explodiert. Ich ersehne diese Tage so sehr. Es wird Zeit, daß auch wir hier mal die Wintergarderobe einmotten können. Noch ist  es aber nicht so weit.

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