10 Februar 2012

Der aufrechte Gang


Wenn ich die Hosen meiner Kinder betrachte bin ich fast geneigt zu sagen, daß sie offenbar den aufrechten Gang aufgegeben haben und seit geraumer Zeit, sich nahezu ausschließlich schlurfend auf spitzen Knien vorwärts bewegen. Denn sonst ist es mir ein Rätsel, wie eine neue Hose nach drei Wochen so aussehen kann.


Nach vier Wochen mit Sicherheit so! An meine Kindheit gibt es  u.a. Klamottentechnisch quälende Erinnerungen. Strumpfhosen, deren Zwickel nach wenigen Schritten unvermeidbar irgendwo auf Kniehöhe rutschte. Einen guten Sitz hatten die Dinger nie. Kratzige Pullover, Schals, Mützen aus Wolle, statt der heutigen auf wundersame Weise weich behandelten Merino-Wolle, an Fleece-Pullover nicht zu denken. Da war man noch Lichtjahre von entfernt. Aber, wenn ich an meine ersten Jeanshosen denke, so waren sie nahezu unkaputtbar. Fast so robust wie aus Zeltstoff. Zumindest habe ich nur ein einziges Exemplar meiner Jeans je kaputt bekommen, als ich beim Herabspringen von einem Apfelbaum an einem Ast hängen blieb. Der Riß wurde geflickt und die Hose hielt, bis ich ihr entwachsen war. Da ist man fast geneigt zu denken, daß früher nicht alles, aber doch so manches besser war - zumindest was Jeanshosen anbelangt. Von solch' paradiesischen Zuständen kann ich bei den Hosen meiner Jungs nur träumen. Maximal vier Wochen...und der labberige Stoff ist garantiert durch. Erst habe ich Bügelflicken verwendet, aber für zwei zu flickende Hosenbeine, da bekommt man fast wieder eine halbe neue Hose. Ab gesehen davon, waren auch die Flicken nach wenigen Wochen durch. Nun bleibt mir nichts anderes übrig, als die Hosenbeine an einer Seite auf zu trennen, mit einem Stück Stoff zu hinterlegen und mit der Maschine unzählige Male drüber zu rattern. Das ist die günstigste und haltbarste Methode, wenn auch die Zeitaufwendigste. Ich lasse mich überraschen, wie weit wir damit kommen.

Kommentare:

  1. Jep... so sehen bei uns die Hosen vom Junior auch aus... und da ich alle flicke... sehen alle eben geflickt aus... ;-)))

    und zwar nach dieser Methode

    http://68naehmaus68.blogspot.com/2008/07/drama.html

    also für den Junior dann mehr jungstauglich ohne Bögen usw...

    ich bekomme mittlerweile sogar kaputte Jeans geschenkt, weil die "nichtnähenden" Mütter damit nichts mehr anfangen können...

    GLG

    Andrea

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    1. Liebe Andrea, so eine gelungene und noch nie gesehene Anleitung hast Du uns allen offeriert. Vielen Dank für die außergewöhnliche Anregung! Die abgebildeten Hosen sind bereits geflickt, aber es kann ja nicht mehr lange dauern, bis ich Deine Anleitung umsetzen darf ;-)...

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