14 April 2014

Herzensangelegenheit

 

Wann immer das Wetter Gelegenheit dazu bietet, schnappe ich mir meinen Vater und versuche ihn zu einem kleinen Spaziergang zu ermuntern. Was viel Liegerei innerhalb kürzester Zeit aus einem macht, das habe ich nach meinem Unfall Anfang 2013 leidvoll am eigenen Leib erfahren: man wird zu einem Wrack. 


Kater Mautz braucht keine Aufforderung. Der liebt es, mit durch den Wald zu laufen.


Unterwegs erfreuen wir uns an allem, was die Natur uns zu bieten hat. Frisch sprießendes Grün,  Schnecken, die umherkriechen...


Manchmal allerdings gibt es auch Schaulustige, die uns im Blick haben. Dieser lustige Geselle hat uns noch eine ganze Weile begleitet, ist über unseren Köpfen hinweg von Ast zu Ast, Baum zu Baum gesprungen, hat bisher nie gehörte Geräusche wie "Tock tock" von sich gegeben.


Zwischendurch wächst die Anzahl der Sechsecke, wenn auch nur langsam. Zur Zeit gehe ich zeitgleich mit meinen Kindern schlafen.


Auf dem Weg zur Schule der kleinen Herren - mein Vater sitzt neben mir im Auto. Er staunt über die große Menge abgeholzter Bäume. Eine gigantische Spur der Verwüstung haben die beiden Orkane im letzten Herbst hinterlassen. Man ist noch immer mit Aufräumarbeiten zugange.


Sehr gespannt sind wir darauf, was uns für Veränderungen im Freibad erwarten werden. Denn auch da hat es etliche Bäume umgehauen und wochenlang hörte und sah man dort aus weiter Ferne schwere Arbeitsgeräte arbeiten.

 

Die Kinder hatten Projekttage. Als wir sie gemeinsam aus der Schule abholen, freuen sie sich und haben nochmal Gelegenheit ihrem Dede ihre Klassen zu zeigen. Der freut sich all das zusehen, aber ich weiß, daß er recht bald erschöpft ist und nicht mehr kann.

 

Mir ist klar, daß mein Vater sich bewegen muß. Auch ihm ist es klar, aber es kostet ihn so sehr viel Mühe, daß er es am liebsten sein lassen würde, wenn ich ihn nicht mit sanfter Gewalt aus dem Bett holen würde. Letzte Woche nach diversen Arztbesuchen, die auf unserer Liste standen, habe ich ihm einen Rollstuhl besorgt. Ein Rollator wäre natürlich erste Wahl gewesen, aber das packt mein Vater einfach nicht mehr. Er kann nur noch gehen, wenn man ihn fest unterhakt. Aber mit einem Rollstuhl sind auch längere Strecken möglich, die man unterwegs sein kann.

 
Solche Bilder rühren mich sehr. Während der Große den Rollstuhl schiebt, hält der Kleine Händchen mit seinem Dede.


Und auch wenn der Rollstuhl dabei ist, überrede ich meinen Vater immer wieder dazu auf ebener Strecke selbst wieder einpaar Schritte zu gehen. Da schiebe ich dann den Rollstuhl und mache zeitgleich einpaar Bilder.


Und während mein Vater auf einer Baumwurzel ruht und mit Freude zuschaut, dürfen sich die kleinen Herren eine ganze Weile beim Klettern verausgaben.

 

Selbstverständlich ruht dann auch Kater Mautz.

 
"Wenn ein Baum kippt, lehnt er sich bei seinen Nächsten an", sagt ein türkisches Sprichwort. Ich bin froh und dankbar, daß ich so tolle Unterstützung habe.


Endlich Wochenende: dann freuen sich alle auf meinen Mann, den wir gemeinsam vom Bahnhof abholen.


"Papiiiii...!!!" Habt ihr sie schreien hören, ja?! Für mich eine ganz besondere Freude, wenn die Familie zum Wochenende wieder vollzählig ist.


Wir fahren direkt durch in die nächste Stadt und bringen meinen Vater zu seinen langjährigen Freunden. Für die nächsten zwei Stunden machen wir die Gegend unsicher, bevor wir ihn wieder abholen und alle gemeinsam nach Hause fahren.

Das waren Bilder aus der vergangenen Woche. Natürlich ist sehr viel mehr passiert. Das Meiste aber ist nicht von großem Belang, und das andere läßt sich schlecht darstellen - oder gehört hier nicht her. 

Es gibt eine Fülle von Glücksmomenten, ehrliche Nähe, herzliche Innigkeit und große Vertrautheit. Es gibt aber auch die andere Seite. Zu sehen, wie sehr die Altersdemenz und zahlreiche andere Gebrechen meinem Vater zu schaffen machen, macht uns sehr traurig. Die einfachsten Dinge sind manchmal kaum möglich. Wenn ihm manchmal die Worte fehlen, oder er ungeschickt und ungeduldig wird und aus lauter Verzweiflung darüber mir gegenüber die Stimme erhebt, dann möchte ich am liebsten weinen - nicht, weil ich dann gekränkt bin, sondern weil ich seine Verzweiflung spüre und sehe. Weil ich ganz einfach mit ihm bin und ebenso leide. Dann unterdrücke ich meine Tränen (manchmal weinen wir auch gemeinsam), streichle ihn und versuche ihn zu beruhigen, spreche ihm gut zu und ermuntere ihn, es mir noch einmal zu sagen, was er beim ersten Versuch nicht zu sagen vermochte. Er ist mein Vater. Ich liebe ihn. So einfach und auch schwer ist das. 

Unter meinen letzten Post hinterließ Sandra folgenden Kommentar: "Wenn mein Vater das nur auch so sehen könnte, aber sein Lieblingsatz ist immer "scheiße, wenn man alt wird"! Wie lieb von deinem Vater beim Schnippeln zu helfen! Das hört und fühlt sich alles so gut an! Gros bisou". 

Nun, liebe Sandra, so Unrecht hat dein Vater nicht. Irgendjemand hat mal gesagt: "Das Alter ist nichts für Feiglinge!" Mein Vater würde sogar je nach Tagesform noch eine Schippe darauf packen. 

Ich möchte hier niemandem etwas vormachen. Was mir aber eine echte Herzensangelegenheit ist, euch zu sagen: "Kümmert euch um eure bedürftigen Angehörigen. (Natürlich immer auch im Rahmen der eigenen Möglichkeiten). Habt Verständnis, wenn sie wieder zu kleinen Kindern werden.  Jeder Mensch hat Familie. Und alle werden mit höherem Alter mehr oder weniger gebrechlich.  Tut, was ihr könnt, aber tut etwas!! Schaut nicht weg! Überlaßt die Nächstenliebe nicht ausschließlich den Profis. Mit zunehmendem Alter setzt das Alter einem nun einmal zu. Laßt diese Menschen nicht allein, laßt sie spüren, daß ihr gerne für sie und ihre Belange da seid. Habt Geduld und Verständnis. Kleine Kinder schreit man auch nicht an, wenn sie etwas noch nicht können. Das sollte man ebensowenig tun, wenn ein alter Mensch etwas nicht mehr kann. Im Alter als lästiges Übel angesehen zu werden ist eines der schlimmsten Dinge, die ich mir vorstellen kann. Früher oder später sind wir es, die an ihrer Stelle sind. Verdrängen bringt nichts. Zuneigung und Liebe, sie bringen sehr viel.  In diesem Sinne: Macht es gut!

08 April 2014

Miteinander


Immer wieder mal wird am neuen Großprojekt gearbeitet. Kleine Helfer habe ich einige. Heute fand sich zu meiner großen Freude ein neuer Helfer...

 

Seit Sonntag ist mein Vater wieder bei uns. Wir haben uns sehr auf ihn gefreut und haben einen riesigen Kuchen für ihn gebacken, während mein Mann sehr verständig und hilfsbereit, ihn vom Flughafen abgeholt und wohlbehalten zu uns nach Hause gebracht hat

Es gab viel zu klären bzgl. neuer Medikamente, was sich als wirklich schwierig herausstellte, da sämtliche Ärzte mit einem Schlag in Urlaub entschwunden waren. Ein ganzer Tag ging dabei drauf, aber nun ist es geschafft. Mein Vater hatte gestern eine deutlich ruhigere Nacht als davor. Und weil er nicht mehr sehr viel kann, ganz schlecht zu Fuß ist, viele Ruheeinheiten am Tage benötigt, gibt es nicht so irrsinnig viel, was man miteinander unternehmen kann. Als ich ihn fragte, ob er nicht etwas zu unserer Decke beitragen möchte, nahm er sogleich dankend an. Eine Stunde hat er tapfer die Sechsecke ausgeschnitten, während wir uns oft lachend und manchmal auch eine Träne verdrückend unterhalten haben. Er hat sich über die Abwechslung gefreut, ich habe mich über ihn gefreut. Die nächsten 15 Wochen wird er mit uns leben. Ein so großes Geschenk ist das.


Wie immer kam er mit einem großen, schweren Koffer (mein Mann durfte schleppen und hat ihn kaum durchgehend tragen können). In der Hauptsache gab es geröstete Nüsse aus unserer Geburtsstadt, getrocknete Feigen und Küme - eine türkische Spezialität. Von all dem soooo viel, daß wir monatelang davon essen können. Im Gegenzug dazu hatte er sein Handgepäck mit kostspieliger Technik am Istanbuler Flughafen im Transitbereich einfach vergessen. Vergebliche Telefonate auch heute deswegen. Aber ehrlich: wir sind einfach nur froh, ihn in den nächsten Monaten bei uns zu haben, ihn zu verwöhnen und lieb haben zu dürfen. Kater Mautz hat ihn neugierig beäugt und schläft neuerdings im Sessel in seinem Zimmer ;-).

Es bringt nichts, das zu beklagen, was nicht mehr möglich ist. Wir erfreuen uns an allem, was noch geht - auch wenn es weh tut, meinen Vater immer weniger werden zu sehen. Aber das Wenige ist gerade so kostbar, und wir sind sehr dankbar dafür, daß wir uns noch haben dürfen. Es wird etwas stiller werden hier. Die Bühne gehört nun meinem dritten Kind.

03 April 2014

Infiziert




Ich habe auf so vielen Blogs immer wieder diese wunderschönen Decken gesehen, die mit der wunderbaren "English Paper Piecing-Methode" hergestellt werden. Wenn ich Kleidung aussortiere, entnehme ich immer gut erhaltene Partien, oder hebe kleinere Reststoffe auf, die von irgendeinem Zuschnitt übriggeblieben und für nichts anderes zu gebrauchen sind. Diese Stoffreste füllen hier eine große Kiste. Aus der schöpfe ich nun.


Was ich ganz besonders schön finde ist, wenn die Söhne bei solchen Projekten mitmachen können. Inzwischen wurden hunderte von Papierformen ausgeschnitten.


Die bunten Flicken stammen allesamt von meinen uralten, langen Sommerkleidern. Die Einfarbigen sind Reststückchen von den kürzlich erworbenen Leinenstoffen. Ich freue mich schon auf's Zusammennähen mit der Hand.

31 März 2014

Wollknöpfe selbst gemacht

 

 

 

 

 

 

 


Aus einer Pastikverpackung herausgeschnittene Kreise in gewünschter Größe durch Zu- und Abnahmen mit vierfädigem Sockengarn umhäkeln. Mit Perlen oder Garn besticken. Waschbar bis 40°C.

Sehenswert: Morgen -  20.15 Uhr auf Sat1 der Spielfilm "ALMANYA". Lustig und traurig. Früher oder später laufen bei mir die Tränen...





29 März 2014

Selbstgespräch

Papatya Elira :"Du Pünktchen, weiß du was mir so eben eingefallen ist. Eigentlich könntest du die Fragen auch beantworten und wir könnten dich dadurch besser kennen lernen. Obwohl ich habe sowohl von dir als auch von den beiden anderen Mädels so einen Umriss in meinem Kopf. Aber deine Fragen sind so speziell, dass ich das von dir auch gerne gewußt hätte. Was meinst du?"

Sehr gerne, meine Liebe! Ich stelle mich jetzt mal meinen eigenen Fragen und werde mich bewußt kurz fassen, weil ich noch detaillierter aus dieser Zeit erzählen werde.

1. Wie alt warst du, als du nach Deutschland kamst? 

 Ich war knapp acht Jahre alt. 

2. Für wie lange war euer Aufenthalt in Deutschland ursprünglich gedacht?  

Damals hatte ich keine Vorstellung davon. Vor wenigen Wochen, als ich die alten Briefe aus jener Zeit durchsichtete, entnahm ich völlig überrascht den Zeilen meiner Mutter, daß sie mit der Absicht, lediglich zwei Jahre zu bleiben nach Deutschland gegangen waren.

3. Bist du sofort mit deinen Eltern nach Deutschland gereist, oder wurdest du nachgeholt?

Untypischerweise war meine Mutter die Erste, die nach Deutschland ging. Unglücklicherweise war mein Vater damals krank und durfte erst einreisen, als er wieder genesen war. Man sollte dem deutschen Staat nicht zur Last fallen. So waren die damaligen Regeln. Kurze Zeit später ging mein Vater nach Deutschland. Ca. vier Monate später holte meine Mutter mich ab, und wir flogen gemeinsam nach Deutschland.

4. Was waren die ersten Dinge, die dir in Deutschland sofort aufgefallen sind - vielleicht, weil sie so ganz anders waren als das, was du aus unserer alten Heimat kanntest?

Als ich in Deutschland ankam waren mit einem Mal alle vertrauten Geräusche weg. Mir war, als hätte mir die ganze Zeit jemand die Ohren zugehalten. Das Straßenbild war ein ganz anderes: in unserer Heimatstadt standen an jeder Straßenecke ein Maronenverkäufer, Simitverkäufer (Sesamkringel) und ich weiß nicht wer oder was noch. Sie alle riefen laut, um ihre Waren zu verkaufen. Auch den Muezzin hörte man von morgens bis abends, und Hähne, die krähten - sogar in der Stadt. In Deutschland herrschte Ruhe. Nahezu an jeder Straßenkreuzung gab es eine Ampelanlage. Lediglich Frühmorgens und am späten Nachmittag sah ich größere Menschenmengen. Dazwischen gab es vereinzelte Menschen, die sich zielstrebig durch saubere Straßen bewegten. Im Gegensatz zur Türkei sah man nirgends unbefestigte Straßen. Die Bordsteinkanten waren deutlich niedriger als in der Türkei. Überall gab es Mülleimer, wo man seinen Müll loswerden konnte. Ach, es gab so viel, was anders war.


5. Hast du in dieser Zeit etwas aus der Türkei vermißt, was du in Deutschland nicht hattest?

Erst einmal war ich getragen davon, wieder meine beiden Eltern um mich zu haben. Mit der Zeit erst wurde mir schmerzlich bewußt, daß wir getrennt waren von unserer großen Familie, die wir so sehr liebten.

6. Hast du dich in deiner neuen Umgebung wohl gefühlt?   

Sagen wir mal so: ich habe mich nicht unwohl gefühlt. Wir waren wieder glücklich vereint. Das war die Hauptsache und machte sehr viel aus. Daß wir unser geräumiges, schönes Heim in der Türkei gegen ein möbliertes Ein-Zimmer-Appartment getauscht hatten war seltsam, aber nicht schlimm.

7. Gab es einen Moment, ab dem du dich in Deutschland Zuhause gefühlt hast - wann war der?

Das war so ca. ab 16 Jahren. Deutschland hatte sich nicht verändert, aber ich hatte mich verändert.

8. Hast du je damit gehadert, daß deine Eltern diesen Schritt gemacht haben, mit dir nach Deutschland zu gehen?

Oh ja, sehr sogar! Bis ich nach Deutschland kam war ich ein unbeschwertes, fröhliches Kind. Dieser Zustand hielt nicht lange an. So klein ich auch war, machte ich  meinen Eltern irgendwann schwere Vorwürfe und flehte sie an, wieder mit mir zurück in unsere Heimat  zu kehren.

9. Hattet ihr viel Kontakt zu anderen Türken, oder eher mehr zu Deutschen?

Anfänglich gab es nur vereinzelt Kontakte zu Deutschen. Meist waren das Nachbarn oder Arbeitskollegen meiner Eltern. Man unterhielt sich auf Englisch - oder mit Händen und Füßen. In der Hauptsache hatten wir erst einmal mehr mit Landsleuten zu tun. Man besuchte sich gegenseitig, verbrachte gemeinsam türkische Feiertage, informierte sich über dies oder das, was für uns noch gänzlich neu war in Deutschland.

10. Was schätzt du an Deutschland, und was an der Türkei?   

Ich schätze die Kultur und Tradition beider Länder. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, die heilige Ordnung und die Zuverlässigkeit, mit der die hiesigen Uhren  ticken, die möchte ich nicht mehr missen.  Ebenso den geordneten Straßenverkehr ;-). Denke ich an die Türkei, dann denke ich sofort an meine dortige  Familie, an das weite, landschaftlich vielfältige Land, durch das drei Klimazonen verlaufen. Die Gastfreundschaft, die man dort lebt, muß man woanders erst mal suchen. Der Zusammenhalt der Familie, die Aufmerksamkeit und der Respekt, mit dem man den älteren Menschen dort begegnet, beeindrucken mich sehr.


27 März 2014

Mein Erster

 

Vor etlichen Tagen habe ich von Sandra eine schöne Anerkennung bekommen, die mich natürlich sehr gefreut hat. Diese Auszeichnung ist für Blogs mit einem geringen Bekanntheitsgrad gedacht.

Hier, die zehn Fragen, die ich gerne beantworten möchte:

1. Wenn dir die Decke auf den Kopf fällt, wo würdest du dann am liebsten hingehen?

Ehrlichgesagt kenne ich diesen Zustand kaum. Was aber immer gut tut ist, an einem rauen Tag mit viel Wind & Wetter hinaus in die Natur zu gehen, mich körperlich zu betätigen.

2. Was macht dir am Bloggen am meisten Spaß?

Natürlich die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichen und vielfältigen Menschen auszutauschen und zu vernetzen. Ich erlebe die Bloggerwelt oftmals als Bereicherung.

3.Tee oder Kaffee? Katze oder Hund? Berge oder Meer? Wein oder Bier? Kino oder Theater?

Selten Tee, deutlich lieber Kaffee. Zur Zeit aus Vernunftgründen nur am Wochenende - dafür dann mit großem Genuß. * Die Frage "Hund oder Katze?" irritiert mich immer sehr. Das Leben ist nicht schwarz oder weiß. Ich kann durchaus beiden Tierarten etwas abgewinnen und sie lieben - auch ohne sie zwangsläufig besitzen zu müssen. Seit einigen Monaten lebt ein Kater mit uns, zu dem wir auf sehr kuriose Weise gekommen sind, und der uns seitdem viel Freude bereitet. Trotzdem ich als kleines Kind eine sehr traumatische Erfahrung mit einem kranken Hund machte, kann es durchaus sein, daß ich mich auch zu bestimmten Hunden hingezogen fühle. Die Traute, mir einen in's Haus zu holen, die habe ich bis heute nicht. Deswegen verdamme ich aber keine Hunde, die von jeher treue Begleiter des Menschen waren. * Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in der Türkei am Meer - mit Gebirgsketten im Hintergrund. Ich habe beides kennen- und lieben gelernt, obwohl das Wasser immer schon eine große Faszination auf mich ausgeübt hat. * In jüngeren Jahren ab und an gerne Beides - heute so gut wie nichts mehr davon. * Früher war ich ein regelrechter Cineast. Auch bin ich gerne ins Theater gegangen. Heute kommt beides mangels Gelegenheit nicht zustande.

4. Was würdest du gerne können? 

Ich bin vielseitig interessiert, so daß die imaginäre Liste dementsprechend lang ist. Ich lerne für mein Leben gern. Ich würde gerne Filme machen können, richtig gut schreiben, programmieren wäre toll. Und so richtig fluffig aus dem Handgelenk zeichnen, und mich mit viel Zeit der Malerei widmen... das wäre grandios! Die anderen 143.763 Dinge zähle ich jetzt nicht auf ;-). 

5. Mit welchem berühmten Menschen würdest du dich gerne einmal unterhalten?

Barbara Schöneberger - die finde ich einfach total sympathisch. Ich glaube, die Unterhaltung würde ziemlich lustig werden.  

6. Auf einer Skala von 1 bis 5, wie zufrieden bist du mit deinem Leben und was macht dich zufrieden oder unzufrieden?

In meinem Leben gab es schwere und auch sehr schöne Zeiten. Durch die Jahre bin ich reifer geworden und in meinem Leben angekommen. Wenn ich Herzlichkeit, Güte und Nähe selbst erlebe und für andere erfahrbar mache,  dann bin ich glücklich. Geht es den Menschen gut, die mir am Herzen liegen, so geht es auch mir gut. Dann bin ich rundum zufrieden... wäre da nicht diese Baustelle im Haus, die uns immer wieder Energie abzieht. Es geht nur schleichend voran, aber wenn denn mal wieder eine Etappe genommen ist, dann bin ich restlos glücklich.  

7. Welche Bedeutung hat für dich die Musik in deinem Leben?

Musik hat immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Mit Musik geht mir alles viel leichter von der Hand. Meine Mutter hatte eine wunderschöne Stimme, sang immer sehr viel und gerne. Musik ist für mich ein absoluter Gefühlsverstärker, der mich sofort an unterschiedliche Stationen meines Lebens zurück zu versetzen vermag. Ich habe auch mal zwei klassische Instrumente gelernt, die ich aber aus gesundheitlichen Gründen beide nicht mehr spielen kann.  

8. Erinnerst du dich noch an einen Augenblick, der dir jetzt noch die Schamesröte ins Gesicht treibt? 

Bestimmt hat es solche Momente gegeben, aber ich erinnere mich an nichts Konkretes. Und zum Glück kann ich gar nicht rot werden ;-). 

9. Welches Buch oder welche Geschichte hat dich in deiner Kindheit am meisten beeinflusst?

Das waren die allerersten Bücher mit kleinen Geschichten, die ich in der Türkei von meinem Onkel und meiner Tante einige Zeit nach der Einschulung bekam. Für mich kam das Lesen dieser Bücher einer Offenbarung gleich. Ich bin heute noch im Besitz dieser Büchlein.   

10. Was möchtest du in deinem Leben noch Neues lernen oder sehen? 

Oh, ich hoffe doch sehr, daß ich nie aufhören werde zu lernen - egal was -  und offen genug bleibe, um immer wieder Neues in mein Leben zu lassen.

Liebe Sandra, herzlichen Dank für diese Form der Anerkennung und den Fragenkatalog.

Ganz spontan reiche ich folgende Fragen an:

Papatya Elira - deren nachdenkliche, sanfte Worte mir sehr zu Herzen gehen. 

by Dilek'ten - durch deren Beruf ich immer wieder in den Genuß komme, Bilder meiner alten Heimat zu sehen.

Ayşenputtel  - mein Personal Trainer für Lachmuskeln. Gott, was haben wir schon miteinander gelacht...

Ihr Lieben, für die Fragen, deren Beantwortung mich interessiert, kommt nur ihr in Frage.  
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitmacht.

1. Wie alt warst du, als du nach Deutschland kamst?
2. Für wie lange war euer Aufenthalt in Deutschland ursprünglich gedacht?
3. Bist du sofort mit deinen Eltern nach Deutschland gereist, oder wurdest du nachgeholt?
4. Was waren die ersten Dinge, die dir in Deutschland sofort aufgefallen sind - vielleicht, weil sie so ganz anders waren als das, was du aus unserer alten Heimat kanntest?
5. Hast du in dieser Zeit etwas aus der Türkei vermißt, was du in Deutschland nicht hattest?
6. Hast du dich in deiner neuen Umgebung wohl gefühlt? 
7. Gab es einen Moment, ab dem du dich in Deutschland Zuhause gefühlt hast - wann war der?
8. Hast du je damit gehadert, daß deine Eltern diesen Schritt gemacht haben, mit dir nach Deutschland zu gehen?
9. Hattet ihr viel Kontakt zu anderen Türken, oder eher mehr zu Deutschen?
10. Was schätzt du an Deutschland, und was an der Türkei?
 



25 März 2014

Brownie und Blumenkohlöhrchen

 

Normalerweise bemühen wir uns, die recht bescheidenen Wünsche unserer Kinder zu erfüllen. Das ganze Jahr über spitze ich die Ohren, so daß ich zu Feierlichkeiten alles parat habe. Weihnachten 2012 brachte mich das olle Maschinenöl in den Adventskalendern zum Schwitzen. Ich kloppte die gekauften Adventskalender fluchend in die Tonne, um nach  durchgemachten Nächten pünktlich zum Advent zwei Selbstgemachte befüllt mit ausgesuchten Kleinigkeiten und Geschichten für unsere Kinder zu präsentieren. (Wie bekloppt war das denn, daß ich als Nichtchristin in puren Weihnachtsstreß geriet. Also ehrlich...) Die überbordende und anhaltende Freude der kleinen Herren entschädigte mich für die schlafminimierten Nächte. Vergangenes Jahr gab es kein Maschinenöl in den Adeventskalendern und somit kaufte ich wieder welche. Soweit war ich mit allem durch, was um's Fest 2013 rankte und konnte mich tiefenentspannt in die Kissen sacken lassen... bis das kleine Kind sinierte:

 "Mama, du kannst doch stricken..."
 "Ja", antwortete ich da noch gedankenverloren.
 "Mama, ich wünschte, du könntest uns so ein kleines Bärchen stricken, was man mit in's     Bett nehmen kann..." Der große Bruder pflichtete ihm kopfnickend bei.
Noch entspannt antwortete ich: "Aber ihr habt doch schon einige Kuscheltiere..."
"Jaaaa, aber nicht welche, die du gemacht hast."  

Paff! Mit einem Schlag schnellte mein Cortisol in die Höhe. Zwei Tage vor Heilig Abend. Wie um Himmels willen sollte ich so schnell zwei Bärchen selbst herzaubern, zumal ich noch nie solche gestrickt hatte. Und eine Anleitung hatte ich auch nicht. Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie mir einst meine Mutter einen Bären gestrickt hatte in meinem ersten Jahr in Deutschland. Ich besaß sehr wenig Spielzeug. Diesen Bären liebte ich, und es begleitete mich etliche Jahre meines Kinderlebens... bis es irgendwann leider nicht mehr auffindbar war.  Erinnerungsumtrieben verwarf ich den Gedanken an selbstgestrickte Bärchen. Aber immer wieder schwangen mir die Worte des kleinen Kindes durch meine Seele. 
 
 


Beim Einkaufen machte ich zuletzt Station bei den Zeitschriften. Flüchtig durchblätterte ich einige, bis mich der Blitz traf: tatsächlich eine Anleitung für gestrickte Bärchen. Das war unglaublich - wie bestellt...

Den Rest könnt ihr euch denken: zwei schlaflose Nächte weiter hatte ich sie. Insgesamt jedoch strickte ich drei Bären. Das Erste war recht mißlungen. Als nächstes entstand das helle Bärchen mit den seltsamen Ohren für Sohn1 (also diese Anleitung... ehrlich jetzt...), was ihm vom Sohn den Namen "Blumenkohlöhrchen" einbrachte. Bär Nummer drei war für Sohn2, denn der sollte dunkler sein ("So wie ich, Mama..."). Dieser wurde dann von ihm "Brownie" genannt. "Weil er sooo süß ist, wie ein Brownie, Mama...".

Unter dem Baum lagen noch andere ausgesuchte Geschenke für die kleinen Herren. Aber was soll ich sagen, daß sie in Jubelgeschrei verfielen, als sie diese seltsamen Bärchen im Baum entdeckten, das treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen. Noch heute sind Blumenkohlöhrchen und Brownie - manchmal plattgelegen -  im Dauereinsatz. Für mich ganz persönlich ist das eine anhaltende große Freude. Schnüff... Und auch an diese Geschichte möchten wir uns mit unserem ersten selbstgemachten Tannenbaum-Handrührer  erinnern.