18 Januar 2017

Mit Schimmer und Glanz

Es gibt Kindheitserinnerungen, die für mich noch immer sehr präsent sind. Aus einer schönen Küstenstadt der Schwarzmeerregion stammend, verbrachte ich meine ersten Lebensjahre in einer liebevollen Großfamilie. Neben vielen anderen Berufsgruppen gab es Akademiker, Schriftsteller, Künstler sowie Bauern, oder Büroangestellte. Was mich aber als kleines Kind ganz besonders faszinierte waren die Fischer meiner Familie. Es gab tatsächlich eine handvoll Menschen, die täglich mit einfachen Holz-Booten und riesigen Netzen in aller Herrgottsfrühe auf das Meer hinaus fuhren und erst viele Stunden später ihren frischen Fang am Hafen vekauften. 


Auch der Großfamilie kam der Fischfang zu Gute. Ich beispielsweise liebte als Kind die Sardellen - Hamsi heißen sie auf Türkisch. Interessiert schaute ich zu, wenn die Fische ausgenommen wurden. Auch wenn sie bereits tot waren, fand ich sie so schön. Dieser Schimmer und Glanz, der sie auch im Tode zierte, das hatte etwas ganz Magisches für mich. Meist konnte ich es nicht lassen, sie wenigstens mal kurz mit dem Finger zu berühren. Sie wurden vielfältig zubereitet, und noch heute erinnere ich mich an diesen köstlichen Duft, der sich unauslöschlich in meinem Hirn verankert hat. Vielleicht kommt es von daher, daß ich ab und an gerne Fische male. Manchmal sogar unbewußt, gerne aber auch gewollt.

 

So lange ich denken kann, liebte ich das Meer. Beharrlich drängte ich meine Eltern, mit mir fischen zu gehen. Ein eigenes Boot hatten wir nicht, und die, die eines basaßen, konnten sich den Luxus von Arbeitsausfällen durch Verleih ihrer Boote nicht erlauben. So nahm mein Vater mich eines Tages im Morgengrauen mit zum Angeln. Bewaffnet mit einem kleinen Eimer und todmüde trottete ich an seiner Hand zum Hafen hinunter. Dort waren schon reichlich Angler vertreten, die sich über meine Anwesenheit amüsierten. "Es gibt kein Entkommen. Sie läßt nicht locker", sagte mein Vater lachend. Es dauerte nicht lange und ich schlief sofort auf dem Schoß meines Vaters ein. Als ich erwachte, brannte die Sonne vom Himmel herab, die Eimer der Angler waren reich gefüllt mit diversen Fischen... und an meiner kleinen Angel ... hing auch ein kleiner, in allen Regenbogenfarben schillernder Fisch. Nur rührte der sich überhaupt nicht. Auch wenn mir das seltsam vorkam, freute ich mich über meinen Fang. 

 

Der kleine Fisch im Eimer veränderte sich zusehends. Meine Eltern wollten ihn schon entsorgen, womit ich keinesfalls einverstanden war. Irgendwann aber war der Gestank so übermächtig, daß ich mich freiwillig von ihm zu verabschieden bereit war. Ich wollte ihn nicht in Erde einbuddeln. Er sollte wieder zurück ins Meer. Das taten wir dann auch.


"Es gibt Fisch!"

30x30 cm  
Acryl auf Leinwandkarton

 
Noch heute finde ich Fische fasziniernd in ihrer Schönheit.

15 Januar 2017

Neues Jahr, neue Erkenntnisse...

Oftmals sind wir Menschen ja reine Gewohnheitstiere. In meiner Kindheit wurde ich häufig Zeuge dessen, wenn meine Großmutter sich einen frischen Kaffee aufbrühte und diesen mit großem Genuß zu sich nahm. Der unglaublich leckere Duft ließ mich wie eine Katze um sie herum schleichen. So goss sie mir dann ein kleines Schlückchen auf die Untertasse und versüßte mir das dunkle Gebräu mit etwas Zucker. Das wurde zu einer liebgewonnenen Gewohnheit zwischen uns. Ich liebte unser Ritual. Die restliche Familie trank immer und ausschließlich Tee.

Irgendwann als junge Heranwachsende entdeckte ich erneut den Kaffee, nur daß ich ihn mir nun selbst zubereitete. Bei weitem nicht jeder Kaffee schmeckte mir. Es gab große Unterschiede. Vor einigen Jahren landete ich dann beim Cappuccino. Von ihm kam ich dann auch nicht mehr los. In der Regel trank ich zwei Tassen dieser Kalorienbombe täglich - manchmal wurden es auch drei... Ich versuchte des Öfteren meinen Konsum einzuschränken und trank ihn eine Zeit lang nur an den Wochenenden. Und dann kam das neue Jahr..., was in der Regel bei vielen zu Ganzjahresvertragsabschlüssen mit Fitnesscentern führt ;-).


Ich trank plötzlich Tee. Vormittags eine Kanne, und am Nachmittag auch. Am liebsten Pfefferminz mit Apfel oder frischem Ingwer. Übrigens gab es schon einmal solcherlei Annäherungsversuche.

Nach zwei Wochen wollte ich mir in alt gewohnter Weise einen Cappuccino gönnen. Mit Vorfreude nahm ich die Tasse in die Hand und den ersten Schluck in den Mund. Die Ernüchterung war groß: er schmeckte mir überhaupt nicht mehr. Völlig verdattert nahm ich einen weiteren Schluck und trank sogar ungläubig die Tasse leer. Nichts. Kein Genuß. Kein Geschmack. Brrrr. Ich setzte eine neue Kanne Tee auf und trank ihn. Das behalte ich momentan so bei.

Diese Erfahrung hat mich an meine Schwangerschaften erinnert. Eine Zeit lang aß ich einen ganz bestimmten süßen Sahnejoghurt. Dann wurde ich schwanger, und ich erinnere mich daran, wie ich den ersten Löffel dieses einst so geliebten Joghurts im hohen Boden wieder ausspuckte - er schmeckte so unglaublich widerlich und künstlich nach Chemie, daß ich ihn auch nach meinen Schwangerschaften nie mehr anrührte. (Übrigens liebte ich meine Schwangerschaften auch besonders deshalb, weil sie mich ernährungstechnisch auf den unverfälschbaren, rechten Weg brachten. Unfaßbar wozu Hormone in der Lage sind...). So ähnlich ist es mir nun nach zwei Wochen meiner Cappuccino-Abstinenz gegangen. Habt ihr auch mal solche Erfahrungen gemacht?

Bei ihr wird heute die fotografische Umsetzung eines Getränkes gesucht. Ganz wie gefordert ist mein Beitrag nicht, aber da ich ein für mich eher außergewöhnliches Getränk würdige, ist es ok., denke ich.

Ich gehe mir mal meine Nachmittagskanne Tee brühen. Habt einen feinen Sonntag - womit und wodurch auch immer.

12 Januar 2017

Mehr als nur ein Mallappen

Damit fing alles mehr oder weniger wieder an. Die Kinder etwas älter, die Freiräume mehr geworden, konnte ich mich ab und an dem widmen, was ich tief in meinem Inneren so sehr vermißt hatte. In meiner Jugend hatte ich zu aquarellieren begonnen und viel gezeichnet. Dann gab es einen Bruch. Näheres dazu kann man hier unter Punkt 10 nachlesen. 

 

Seitdem habe ich angefangen, mich an Öl- und auch Acrylfarben heran zu tasten. Beides war mir bis dahin nahezu fremd. Das eine, wie auch das andere mag ich. Beides hat großartige, wie auch weniger angenehme, Eigenschaften

 

Irgendwann habe ich mir einen Bereich eingerichtet, in dem es ein reichhaltiges Materialangebot gibt an diversen Malutensilien und reichlich anderem. Inzwischen kann ich das alles weitestgehend stehen lassen und mich ganz spontan zum Malen hinsetzen.

 
Seitdem sind kleinere und größere Bilder entstanden. Es gab reichlich für die "Tonne", wie man sich denken kann. Aber auch manches, wo es wirklich gut lief.

 

In dieser Zeit habe ich wieder gelernt genauer zu schauen, Proportionen zu üben, Farben zu mischen, ein Blick für Motive zu entwickeln. Noch immer benötige ich eine Vorlage, an dem ich mich entlang hangele - mal mehr, mal weniger unsicher. Irgendwann möchte ich mich ganz davon lösen und die Bilder malen, die meinem eigenen Kopf-  und Ideenreichtum entspringen. Auch mit meinen Bildern möchte ich Geschichten erzählen. Der Drang dazu ist groß. Da ist reichlich, kann ich sagen. Aber das umzusetzen wird noch dauern. Egal - die Zeit nehme ich mir ;-).

 

Aus einem alten Bettlaken machte ich mir einen Mallappen. Er hat mich seit meinem Neuanfang begleitet. Immer wieder strich ich die überschüssige Farbe daran ab, während mit der Zeit Bild für Bild entstand. Seit kurzem gibt es einen neuen Mallappen, aber von dem hier konnte ich mich nicht so recht trennen. Klaglos hat er viele Pinselattacken hingenommen, mich viele viele Schritte weit begleitet. So einen wertvollen Lappen schmeißt man doch nicht einfach weg, dachte ich.

 
Und da gab es eh eine Sache, die ich immer mal probieren wollte: Portholes nähen. Mein letztes Leinen nahm ich her für einen schlichten Beutel. Ich zerschnitt meinen treuen Mallappen


fügte ihn ein und nähte ihn fest. Die Reste des Mallappens wanderten dann getrost in den Müll, da er stellenweise in seinem Vorleben als Bettlaken recht zerschlissene Stellen hatte.

 

Da ist er nun, mein Wendebeutel mit Erinnerungswert. Wann immer ich die Pinselstriche darauf sehe, freue ich mich. Denn er hat mich in meiner bisherigen Entwicklung begleitet. Er war Zeuge dessen, wie genervt ich war, wenn mir etwas partout nicht gelingen wollte, oder aber wenn ich glücklich war, weil mir ein Bild ganz leicht von der Hand ging. Da steckt viel, sehr viel Emotion darin, um nicht zu sagen so viel Herzblut. Kann man das nachvollziehen?