05 Juli 2015

Am Ende

Lediglich meine sterblichen Überreste melden sich hier mit letzten Zuckungen zu Wort. Alles, was zu sagen wäre, hat sie in Vollendung in entsprechende Worte gefaßt. 

Wozu, verflucht nochmal, lebe ich in Norddeutschland?! Normalerweise geht hier immer eine Brise, und wir schaffen es selten sommerliche Temperaturen zu erleben, bevor die Saison wieder vorbei ist. Erst letzte Woche haben wir die Wintermäntel abgelegt. Und jetzt das! Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen?? Seit Tagen steht die Luft, Ölbilder wie auch mein Gehirn trocknen in Rekordzeit, und wir haben eine Luftfeuchtigkeit wie sie in Thailand nur zur Monsunzeiten herrscht. Das Freibad vermeldet Rekordeinnahmen (Keiner schwimmt. Alle stehen nur bis zum Hals im Wasser wie die Ölsardinen. Ohne mich!!). Ich sterbe...

All jenen, denen Backofentemperaturen nicht genug sein können: behaltet es bitte für euch!!! Ich kann Äußerungen in diese Richtung ganz schlecht vertragen im Moment...

02 Juli 2015

Deutsch-Türkische Gastfreundschaft, oder die erste Djungelprüfung in den siebziger Jahren

Gestern habe ich Garnelen mariniert und zum Abendessen mit den Söhnen gegrillt. Während der eine Sohn das sehr lecker fand, hat der andere mit deutlich verzogenem Gesichtsausdruck nur eine probiert und beließ es dabei.

"Mama, hast du das auch als Kind gerne gegessen?", fragt mich der Sohn interessiert. Gerade will ich ansetzen zu antworten, fällt mir da eine Geschichte von früher ein, und ich erzähle sie ihnen.

Als meine Mutter, also eure Großmutter heiratete, war sie eine lausige Köchin. Das erste Fischgericht, welches sie meinem Vater zuliebe versuchte zuzubereiten, mißlang völlig. In der Küstenstadt, in der mein Vater zu Hause war, und nun auch meine Mutter nach dem Studium lebte, beherrschten alle Frauen sämtliche erdenklichen Gerichte. Da hin zu kommen war für meine Mutter ein noch sehr langer Weg. Mein Vater nahm es mit Humor, nachdem er beim ersten Blick in den brodelnden Topf nur zerfetzt umherschwimmende Fischteile sah. Von Anfang an war auch meine Mutter berufstätig. Im Laufe der Jahre wurde aus ihr eine hervorragende Köchin. Mein Vater und sie kochten stets abwechselnd, und so kam ich schon als kleines Kind in den Genuß herausragender Geschmackserlebnisse. Wann immer meine Mutter die Frage stellte, ob es uns auch schmecken würde, antwortete mein Vater lachend: "Man kann es essen!" Dieser Satz stammte noch aus ihren unrühmlicheren Anfangszeiten. Inzwischen hatte meine Mutter sich in den Küchen-Olymp gekocht, aber dieser Satz blieb, und wir lachten jedes Mal herzhaft darüber.

In Deutschland hatten meine Eltern Kontakte zu türkischen Landsleuten und auch zu den deutschen Kollegen. Ein Junges Paar, nachdem es zuvor bei uns begeistert gespeist hatte, hatte nun selbst eine Einladung ausgesprochen. Beide noch kinderlos, freuten sie sich auch sehr auf meine Anwesenheit und hatten an so viele liebevolle Kleinigkeiten gedacht, damit es ja niemandem von uns an irgendetwas mangeln sollte.

Zuvor hatten sie meine Eltern lediglich gefragt, ob sie Fisch mögen und essen würden. Meine Eltern bejahten. Immerhin kamen wir aus einer Küstenstadt der Türkei, in der viele Menschen auch vom Fischfang lebten. Fisch kannten wir reichlich, und hatten ihn immer regelmäßig auf dem Speiseplan gehabt. Mit einer schönen Pflanze für den Garten kamen wir bei den Gastgebern an. Wir hatten beinahe den ganzen Tag gehungert, wußten wir doch, daß wir am Abend eine Essenseinladung hatten und wollten mit einem gesegneten Appetit unseren Gastgebern bekunden, wie gut es uns schmeckte. Soweit der Plan.

Schon der Eingang des Hauses war unglaublich schön anzusehen. Entlang des Gartenweges und auf den Treppenstufen brannten überall Kerzen in bunten Gläsern. So etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen. Es mutete an wie ein Märchen aus 1001 Nacht... Und das alles war für uns gemacht! Wir freuten uns sehr über diese Wertschätzung und nach einer überschwenglichen Begrüßung, einer kurzen Führung durch Haus und Garten, wurden wir in das Wohnzimmer geführt. Der Anblick war unglaublich: eine große, reich gedeckte Festtafel wartete auf uns. Überall brannten Kerzen, im Hintergrund lief unaufdringliche, angenehm klingende Musik. Da hatten sich unsere Gastgeber aber mächtig ins Zeug geworfen. Wir waren sprachlos, hatten wir so ein Aufgebot nicht erwartet. 

Unsere Gastgeber waren begeisterte Türkei-Reisende. Mehrfach hatten sie in den Sommerferien ausgedehnte Rundreisen mit dem eigenen Camper unternommen. Voller Begeisterung berichteten sie davon. Es gab viel Gesprächsstoff.

Nachdem wir mit knurrenden Mägen am Tisch Platz genommen hatten, während unsere Gastgeber noch einige Wege in die Küche machten, wanderten unsere Blicke im Raum und auf dem Tisch umher. Entsetzt, und ohne ein Wort zu sagen, blickten wir uns an: Wir sahen kein einziges Gericht, was unserer Kategorie von Fisch entsprach. Es gab allerlei Krebs- und Schalengetier in Variationen, sogar eine komplette Schlange in einem undefinierbaren Glibber (Aal in Aspik und auch anders) lag kunstvoll drapiert auf einem länglichen Teller... und reichlich anderes, was wir nicht kannten, geschweige denn je verspeist hatten. Unsere Vorstellung von einem mediterranen Abend war gerade baden gegangen. Verzweifelt suchte mein Blick irgendwas, was ich hätte essen können, ohne daß es im hohen Bogen wieder aus mir herausgeschossen gekommen wäre. Ich sah nichts. Es war so furchtbar. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl umher.

Unsere Gastgeber saßen nun mit am Tisch und blickten uns freundlich, erwartungsvoll an. Die Getränke waren eingeschenkt und nun ging es an's Eingemachte. Während meine Eltern mit unglaublichem, schauspielerischen Talent überzeugten, wurde ich nur noch gelb und grün im Gesicht. Ich glaube ja, daß Kinder über etliche Mechanismen verfügen, um sich aus bedrohlichen Situationen heraus zu lavieren: ich bekam Fieber - so richtig mit Karacho. Nachdem das Wenige aus meinem Magen wieder heraus gekommen war (glücklicherweise war ich zuvor auf dem WC gewesen und kannte den Weg dorthin bereits), machte sich bei mir Erleichterung breit. Ich war raus aus der Nummer. Die Gastgeber waren besorgt, betteten mich mit einer Decke auf das Sofa. Ich bekam Tee. Zwischendurch dämmerte ich weg, aber wann immer ich zu meinen  Eltern blickte, hatte ich großes Mitgefühl mit ihnen: wie machten sie das bloß?!

Wieder Zuhause angekommen, übergab sich nun auch mein Vater. Er hatte Dinge gegessen, die er freiwillig niemals verspeist hätte. Ab jenem Tag fragten meine Eltern genauer nach, wenn es eine Einladung zu einem Fischessen gab.

"Armer Dede!"
"Mama, hat er wirklich gekotzt", fragt das kleine Kind amüsiert. 
"Ja doch, zu Hause sofort! Es ging ihm richtig schlecht. Aber er hat so lange tapfer durchgehalten, weil sich unsere Gastgeber so unendlich viel Mühe gegeben hatten, und er sie nicht enttäuschen wollte."
"Und Oma...?", will das Kind sensationslüstern  wissen.
"Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, aber auch sie hat sich tapfer geschlagen und mit ihrer charmanten Art alles wett gemacht".
"Also, ich fand die Garnelen wirklich lecker, Mama!"
"Also ich... nicht sooo sehr", sagt das kleine Kind. 
"Ich finde es aber gut, daß du mal probiert hast", sage ich. "Im Laufe eures Lebens wird sich euer Geschmack noch verändern. Es kann durchaus sein, daß gerade du eines Tages Garnelen lieben wirst..."

30 Juni 2015

Erledigt

 

Was in den letzten Wochen zuwenig war, war heute schon fast zuviel: bei der ungewohnten Wärme Rasen gemäht. Ich weiß nicht, warum ich dann immer auf so schweißtreibende Ideen komme. Und weil's anscheinend nicht schweißtreibend genug war, stundenlang auf allen Vieren rumgerobbt und Unmengen von Unkraut vernichtet. Mein Mann wird sich bestimmt wieder über die sichtbar gewordene Friedhofserde beklagen. Man kann es eben nicht jedem recht machen ;-). Als ich mich kaum noch rühren konnte, habe ich noch das ehemalige Feigen-Stöckchen in einen größeren Topf mit guter Erde umgepflanzt - das Bäumchen entwickelt sich!

 

Fast hätte ich es vergessen: Zwischendurch den halbjährlichen Kontrolltermin beim Zahnarzt absolviert. Wenn wir die Praxis wieder verlassen, sind wir meist sehr beschwingt.

 

Am Ende des Tages auf den Hosenboden gesetzt und im Garten um mich geschaut. Es gibt noch immer viel zu tun, aber auch reichlich Schönes zu sehen und zu genießen. Ist das nicht eine tolle Blüte?! Und dann auch noch so riesig groß.

 

Und die Blüten des Pfeifenstrauches, die veströmen einen so unglaublich intensiven Duft. Im Laufe der Jahre habe ich ihn immer wieder erfolgreich vermehrt, so daß ich ihn an mehreren Stellen im Garten habe. Heute hat es in unserem Garten überall nach Jasmin geduftet. Herrlich ist das!

 

Nicht gespritzte Erdbeeren aus dem eigenen Garten. Bei den Gekauften schmecke ich immer dieses Mittel heraus. Nicht so schön. Liebäugele mit einem Hochbeet, in dem es nur verschiedene Erdbeerpflanzensorten geben soll. Mal sehen, was meine bessere Hälfte dazu meint.

 

Im Gegensatz zur geschundenen Mutter, wollte die wilde Meute noch unbedingt eine Radtour machen. Ich hatte keine Energie mehr, um dagegen zu halten ;-) Also eine größere Radtour gemacht  (mit Highspeedfahren - und abbremsen). Ich glaube sogar die Erste in diesem Jahr.  So einen miserablen Schnitt hatten wir noch nie.

 

Unterwegs einen Jungbullen und einpaar Kühe bewundert.

 

Armer, grauer Kater! Auch ihm war's viel zu warm. Würde mich nicht wundern, wenn er schlagartig sein Fell abwirft.

 

Was sehen meine entzündeten Augen da?! Eine unserer Hortensien trägt Blütenansätze. Wer sagt's denn. Geht doch!

Beim Duschen hab ich gedacht, ich krieg die Arme nicht mehr hoch. Ging aber. Jetzt mache ich mich nur noch lang und schaue mir vermutlich zum X-ten Mal den, in meiner letzten Post empfohlenen, Film an. Er ist einfach zu schön... 

Schon gesehen??

29 Juni 2015

Eine ganz besondere Liebesgeschichte

Schon als Kind mochte ich keine Zoos. Auch wenn sich an den Gehegen vieler Tiere einiges getan hat, hat sich bis heute an meiner Haltung nichts geändert. Ein Leben in Gefangenschaft ist nicht die Freiheit. Noch heute vergesse ich nicht den völlig depressiven Eisbären des Kölner Zoos...

Auf diesen Löwen wurde ich aufmerksam über Galileo big pictures - unglaubliche Momente. Die ausführliche Geschichte des "Kaufhaus-Löwen" dazu fand ich hier. Es ist so berührend. Was für eine Liebesgeschichte!

Einfach weiter laufen lassen. Ist ein Dreiteiler aus jeweils ca. 12-15 Minuten Sequenzen.

28 Juni 2015

Auf dem unfertigen Teller

 

Altes Unterhemd als unerläßliches Utensil beim Malen mit Ölfarben

 

 

 

 

 

Fisch am Freitag ;-)
40x50 Öl auf Leinen-Malkarton 

Das Bild war bereits fertig. Dann hab ich's versaubeutelt, weil ich unbedingt weiter machen wollte. Jetzt heißt es etwas Zeit verstreichen lassen, damit es weiter gehen kann. Künftig werde ich mehrere Bilder gleichzeitig in Angriff nehmen. Die Warterei in den Trocknungsphasen ist nicht unbedingt was für mich. Trotzdem mag ich Ölfarben immer mehr. Die geschmeidige Vermalbarkeit der Farben ist einfach außer Konkurrenz. Bei jedem Bild, und gerade auch bei denen, die ich vermurkse, lerne ich. Diese Erfahrungen sind Gold wert. Und auch der Umstand, daß ich beim Malen alles um mich herum vergesse. Das hat etwas sehr Meditatives. Wunderbar!

26 Juni 2015

Kein Kommentar!

Ihr Lieben, alle Jahre wieder gibt es hier bei mir unerklärliche Probleme mit Blogger. Ich habe heute bestimmt einige dutzend Male versucht in allen denkbaren Varianten auf den Blogs zu kommentieren, die ich gerne lese: es ging und geht nichts! Ich selbst habe keinerlei Erklärung dafür, habe recherchiert und alles umgesetzt, was im Internet angeraten wurde. Nichts! Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos, mußte ich bisher immerhin meine Kommentare doppelt eingeben, damit sie überhaupt erschienen. Daß aber nun garnichts mehr geht, das nervt kolossal. Vielleicht löst sich mein Problem schon bald in Luft auch - vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall sollt ihr wissen, daß ich zur Zeit keinen Ton rauskriege bei euch allen.

Falls einer das selbe  Problem hatte und weiß, woran das liegt, darf er mich gerne informieren.
Ein schönes Wochenende euch allen!

23 Juni 2015

Leidenschaft

 

Seit ich fünf Jahre jung war, stricke und häkele ich. Meine Mutter brachte es mir mit entsprechend kurzen, kindertauglichen Nadeln geduldig bei. Kaum, daß ich in der Lage war, kleine Läppchen zu stricken, preßte ich sie meinem Vater gegen die Fersen: es sollten Strümpfe für ihn daraus werden ;-). Es sollte noch etliche Jahre dauern, bis ich ihn tatsächlich mit Socken beglücken konnte. Ich selbst mag sie überhaupt nicht gerne tragen, habe aber reichlich für ihn gestrickt.

Viele Jahre habe ich gestrickt - auf die französische Art. Auch die hier gängige Version beherrsche ich, aber mit der ursprünglich gelernten Methode kann ich schnell und sehr gleichmäßig stricken. Leider war das jahrzehntelange Stricken nicht sehr förderlich für meine Finger. Es gibt Phasen, wo das Stricken und auch andere Dinge unmöglich sind.

 

Wenn es aber mal seltenerweise wieder geht, dann handelt es sich um Genußstricken. Leider bin ich extrem empfindlich, was Wollfasern angeht - da bilden auch edelste Garne keine Ausnahme. Was aber immer schon problemlos ging und geht, das ist Seide und Cashmere. Irgendwann hatte ich Lace-Garne aus reiner Seide erworben. Da sehr dünn, habe ich das Garn doppelt genommen und verstricke es nun mit Nadelstärke drei. 

Meist habe ich nichts von den Sachen, die ich für mich mache. Meine Freundinnen sind echte Räuberinnen. Einmal mit "Ah" und "Oh" anprobiert, verschenke ich die Sachen, als hätte da keinerlei Arbeit und Mühe darin gesteckt. Mein Mantel wurde sogar von einer durchreisenden Freundin jubelnd mitgenommen, obwohl noch nicht einmal die Ärmel fertig angenäht waren. S. hat sich so gefreut, da hab auch ich mich gefreut - und weg war's... Dieses Teil aber (noch verrate ich nicht, was es wird), und das habe ich mir jetzt wirklich fest vorgenommen (erstmals und überhaupt), das stricke ich für MICH. Jawoll!