29 August 2014

Was mich glücklich macht

Als ich vor etwas über drei Jahren völlig unbedarft anfing zu bloggen, hatte ich nicht wirklich eine Ahnung, wohin das führen sollte. Es gab so vielfältige Seiten, die mich beeindruckten. Aber zwischendurch wurde ich auch immer wieder überdrüssig des Ganzen: Deko-Kram, Klamotten, Rezepte, Garten, Handarbeit etc. Das kann ja alles ganz nett sein, aber mitunter kam mir alles  so sinnentleert vor -  bis zu diesem Sommer, der mein Leben einmal mehr komplett auf den Kopf stellen sollte. Auch wenn ich bemüht bin, nicht unser ganzes Leben bis ins Detail der Öffentlichkeit zu präsentieren, war mein Thema plötzlich so klar wie nie: Ich wollte über meine Erfahrungen mit meinem Vater schreiben, der seit Jahren dem schleichenden Verfall einer Demenz ausgeliefert ist. Nur hatte ich das erst jetzt begriffen. Mit gemischten Gefühlen veröffentlichte ich meine ersten Beiträge. Das tat ich in der ehrlichen Hoffnung, Menschen Mut zu machen, die in ähnlicher Situation steckten. Endlich tat ich Sinnvolles. Etliche Nachrichten haben mich seitdem erreicht. Zuletzt heute Morgen erreichte mich eine ausführliche wie persönliche E-Mail, in der mir jemand schrieb, daß er sich in schwierigen Situationen an dem orientiert, wie ich mit meinem dementen Vater umgegangen sei, und daß es ihm, und dadurch auch dem Angehörigen hilft, besser mit der Situation umzugehen. 

Das ist so viel mehr, als ich mir je zu hoffen gewagt hätte. Allein dafür hat sich alles gelohnt. Das ist so viel mehr für mich, als eine nett gemeinte Blog-Auszeichnung. 

Für diese "Rückmeldungen" danke ich jedem einzelnen von euch sehr! Das Leben mit kranken Menschen stellt die Gesunden vor manchmal kaum zu bewältigende Herausforderungen. Da kann es durchaus hilfreich sein, den Blickwinkel zu verändern. Es gibt so viel, was wir Menschen voneinander lernen können - ob gesund oder krank. Und wenn das "Pünktchen" einen kleinen Beitrag dazu geleistet hat, dann ist es gut.

28 August 2014

Das innere Gleichgewicht

Seit ziemlich genau drei Jahren blogge ich über dies und das, über Belangloses, Heiteres und auch Tiefgründiges. Insbesondere in letzterem Fall geht es mir nicht darum, mich beweihräuchern zu lassen, indem ich meine Person in den Vordergrund stelle, oder mein Innerstes nach außen kehre. (Aber über was kann man besser schreiben, als über selbst gemachte Erfahrungen?!) Ich weiß, daß es Menschen in belasteten Phasen ihres Lebens hilft zu wissen, daß sie nicht die alleinig Gebeutelten auf diesem Planeten sind. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der erneut durch eine schwere Phase geht. Das ist nichts Außergewöhnliches, denn so ist das Leben manchmal. Ganz "normal" eben: mit hohen Höhen und gelegentlich auch niederschmetternden Tiefen.


Meine Intention ist es, anderen Menschen in ähnlichen Lebenssituationen Mut zu machen, wenn man genau diesen und sich selbst droht zu verlieren. Und genau das erlebe ich seit geraumer Zeit. Manchmal ist das Leben so unfaßbar schön, heiter und federleicht. Und dann kann es  von Jetzt auf Gleich passieren, daß genau dieses Leben einem bleischwer auf der Seele lastet.

Was tun, wenn man das Undenkbare denken,  das Unvorstellbare sich vorstellen muß?!

In der letzten Woche vor der Abreise meines dementen Vaters befand ich mich in einem absoluten Ausnahmezustand, hatte aber noch alle Hände voll zu tun. Die erste Woche ohne ihn fühlte ich mich wie ein Marathonläufer, der kurz hinter dem Ziellauf einem Zusammenbruch nahe ist und sich kaum aus eigener Kraft auf den Beinen halten kann. Monatelang hatte ich mich nach einer Schockerkenntnis wie eine offene Wunde gefühlt. Nun kam eine innere Starre, und diese nicht greifbare Leere. Es schien, als hätte ich mich selbst verloren. 

Was sollte ich tun? Wo sollte ich mich lassen? Ich war wie gelähmt.

Das einzige, was ich der gigantischen Leere entgegensetzen konnte war, meinen Tränen freien Lauf zu lassen. „Ein Mensch ist dann gesund, wenn er sich körperlich, seelisch und sozial im Gleichgewicht befindet.“ Mein Körper funktionierte, wenn auch wie ferngesteuert. Meine Familie gab und gibt mir Halt. Und doch war mein inneres Gleichgewicht ins Wanken geraten. Sehr sogar. 

Meine Eltern empfand ich stets als den Jackpot meines Lebens. Leider hatten beide ein mehr als beschi….. Karma. Meine Mutter sicherlich um ein Vielfaches mehr noch, als mein Vater. Bei schweren Schicksalsschlägen sagt man, daß die Zeit alle Wunden heilt. Das finde ich nicht. Bezüglich meiner Mutter hat es elf Jahre gebraucht, bis ich das Erlebte halbwegs „verdaut“ hatte. Es ist mir auch heute, nach nunmehr 14 Jahren nach ihrem Tod kaum möglich, mich darüber auszulassen. Das ist auch der Grund, weshalb ich so gut wie nie auf dieser Seite über diese Zeit schreibe. Groß sind die Schmerzen immer noch.

Es gibt die unterschiedlichsten Dinge, die den Menschen gut tun. Ich versuchte mich daran zu erinnern, was das in meinem Fall war. Unglaublich banale Dinge können das sein, wie z.B. Geschirr spülen, das Putzen, oder auch das Aufräumen, Ausmisten und neu Ordnen. Seit mein Vater wieder abgereist ist, habe ich kaum etwas anderes getan. Allein für unser großes Bücherregal habe ich drei Tage gebraucht. Einen Schritt nach dem anderen, eine Sache nach der anderen – manchmal nur in Mini- Schritten. Aber genau diese Mini-Schritte helfen mir, mich  wieder zu fangen, wieder auf die Beine zu kommen.

Und ich wußte, daß ich mich bewegen mußte. Wer hier schon lange mit liest weiß, daß ich Wasser liebe und sich ganz in unserer Nähe ein Freibad befindet. Noch während mein Vater die Sommermonate bei uns war, nutzte ich diesen, so oft sich mir die Gelegenheit bot. Wenn gewährleistet war, daß mein Vater unter Aufsicht war, stürzte ich mich in das Wasser. Diese „Auszeiten“ empfand ich als ungeheuer wohltuend. Während meine Seele lichterloh brannte, erinnerte ich mich daran und schleppte mich manchmal mit letzter Kraft trotz Wind und Wetter dorthin. Ich schwamm für mein Seelenheil.

Dankbar war ich für schlechteres Wetter, wenn ein großes, leeres Becken mich empfing, und ich mit niemandem Smalltalk machen mußte. An besonders schweren Tagen machte ich 150 Bahnen und kam erst nach mehreren Stunden wieder aus dem Wasser. Tonnenschwer tauchte ich ein, glitt durch das Wasser und… lauschte meinem Herzen, bis ich einen Rhythmus fand. Mit jeder Bahn mehr ließ ich los und weinte: Verzweiflung, Sorgen, Trauer – alles bahnte sich seinen Weg hinaus. Bahn um Bahn schaltete ich ab, gewann inneren Abstand… und wenn ich erschöpft dem Becken entstieg, fühle ich mich um Tonnen leichter, frei und fast sowas wie… unbeschwert, glücklich beinahe.

Es wird noch sehr lange brauchen, bis mein inneres Gleichgewicht wieder hergestellt sein wird. Ich arbeite daran und versuche mir ganz bewußt die unvergleichlich schönen Dinge des Lebens zu vergegenwärtigen. Denn diese Seiten gibt es zu jeder Zeit: "Das Leben ist schön..."


"Bäume, die vom Sturm hin und her geschüttelt werden, entwurzeln nicht, das weiß ich."

Danke Astrid, für dein Verstehen.  Ich denke sehr oft an dich und deine Eltern, und wünsche euch und allen Menschen in ähnlichen Situationen Rückhalt, Verständnis, Geduld und Kraft.

27 August 2014

Wertschätzung, oder vom kleinen Blubberfisch

Als meine Kinder noch deutlich jünger waren, wuselten sie immer in meiner Nähe herum. Womit auch immer ich beschäftigt war, waren sie Zeuge dessen, und ich bezog sie mit ein, sofern das möglich war. Es gab nur sehr wenige Momente, in denen ich hätte meinen persönlichen Interessen nachgehen können. Aber ich erinnere mich daran, daß ich vor einigen Jahren an einem Nachmittag hastig etwas für sie zuschnitt, um es schnell zu nähen


Die kleinen Schnipsel, die dabei auf dem Boden lagen beachtete ich garnicht weiter und bemerkte erst beim Aufräumen, daß der Kleine völlig versunken mit den Stoffmalstiften etwas darauf gemalt hatte. Und weil die Stoffschnipsel so winzig klein waren, hatte er das eine und das andere mit spitzen Fingerchen auf jeweils zwei getrennte Stoffstückchen gebannt. 


Er schenkte sie mir. Ich war so unendlich berührt und hob diese zwei Stoffschnipsel jahrelang auf. Immer waren sie in meinem Sichtfeld - nach wie vor voneinander getrennt.

 

Einige Jahre später habe ich deutlich mehr Zeit für mich und meine Interessen. Immer noch nicht in dem Ausmaß, wie ich es mir wünschen würde, aber hier und da ergeben sich doch ab und an zusammenhängende Stunden. Klagen will ich nicht, kann ich doch gut damit zurecht kommen.

 

Gestern ergab sich eine gute Gelegenheit, um eine allererste Stoffhülle für ein kleines Foto-Büchlein zu nähen (die Ecken sind noch verbesserungswürdig wie man unschwer erkennen kann), worin der Kleine eine von ihm getroffene Auswahl an Sommerbildern aufbewahren wollte. Nach Jahren hat darauf nun der kleine Fisch zu seinen Blubberblasen gefunden. Ich meine beobachtet zu haben, wie überrascht, stolz und ebenfalls berührt Sohn2 sein Büchlein gestern im Empfang genommen hat. Sein strahlendes Gesicht zu sehen hat mich so glücklich gemacht.
 

26 August 2014

Freihandsticken


Ab und an hatte ich schon mal verschiedene Stoffreste mit der Maschine auf anderen Stoff appliziert. Das war z.T. recht aufwendig. Fast macht mir das hier noch mehr Spaß: locker etwas auf Stoff aufmalen, und die Konturen mit der Naht nachziehen. Dabei darf es gerne krackelig zugehen. Ich finde, daß es dem Ganzen einfach "Seele" verleiht, wenn es nicht so perfekt ist.

Gerade Nähte kann jeder. Geschwungene brauchen etwas Übung ;-).

 

Meine ganzen Leinenreste müssen für diese Experimente herhalten. Darauf kann ich gut ausprobieren. Und das macht so einen Spaß, daß ich am liebsten nur noch das machen würde.

23 August 2014

Der eigene Wille


Lange bevor ich eigene Kinder hatte, wurde ich in meinem damaligen Umfeld Zeuge dessen, was es heißt, überehrgeizige Eltern zu haben. Die Kinder wurden ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse zwangsverpflichtet zum Sport treiben, Musikinstrumente erlernen etc. Montags Kunstreiten, Dienstag Tanzen und Englisch (man mußte ja um Himmels Willen die sensible Phase ausnutzen...), Mittwoch Turmspringen, Donnerstag Klavier und Hockey, Freitag irgendwas anderes. Magnus mußte schon mit vier Jahren in seinen Disziplinen brillieren, gab doch schon sein Name vor, ein ganz Großer zu sein. Ein straffer Plan gab vor, was schon nach dem Kindergarten stattfinden sollte. Eine Weile ging das noch gut, dann aber gab's die ersten leidvollen Tränen, ungnädige Eltern, die unbeirrt ihre Kinder heulend hinter sich herzerrten. Der Spaß am Ganzen blieb auf der Strecke, weil Kinder wie im Hamsterrad zu funktionieren hatten. Diese Szenen von einst waren nicht unüblich, wenn auch sehr überzogen und brannten sich mir ins Gedächtnis ein. Und ich schwor mir damals, es eines Tages mit meinen Kindern anders zu machen. 

Nicht daß wir uns mißverstehen: ich finde schon, daß man Kindern Angebote machen und sie nach ihren Interessen fördern, aber dabei bitte nicht übersehen sollte, um wessen Bedürfnisbefriedung es in erster Linie dabei geht. 


Wir sind alle noch müde vom gestrigen Tag und würden gerne einmal mehr den Wecker überhören. Der Blick aus dem Fenster verstärkt dieses Gefühl. Trotzdem stehen wir auf, denn heute nimmt Sohn1 an seinem ersten Kinder- und Schülertriathlon  teil. Er hat vor kurzem überraschend den Wunsch geäußert, daran teilnehmen zu wollen. Einfach so. Also haben wir ihn dazu angemeldet. Bis auf ihn, und zwei weitere Teilnehmer, kommen alle aus Vereinen.


Auf der Autofahrt schüttet es wie aus Kübeln. Und mir dämmert, daß wir besser hätten in Gummistiefeln ausrücken sollen.

 

Wir ergattern einen Parkplatz am Maisfeldrand.

 

Erstes Sondieren der Umgebung. Wir sind früh. Die Ersten wärmen sich bei einem heißen Getränk in den Zelten auf. Gütiger Gott, müssen die Kleinen wirklich durch einen See schwimmen?! Sie müssen. Allein dafür hätten alle Teilnehmer von mir eine Medaille bekommen.

 

Kurzzeitig schaut mal die Sonne vorbei. Nach knappen Anweisungen geht's los.

 

Da schwimmen sie, und ich bin dankbar, lediglich vom Ufer aus mit fast nassen Füßen dem Treiben zusehen zu dürfen.

Raus aus dem Wasser und hin zum Fahrrad: Füße abtrocknen, Badekappe runter, Socken und Schuhe anziehen, Helm aufsetzen und

 

weiter geht's!

Und kaum zurück, absteigen, mit Fahrrad zu den Klamotten laufen... Fahrrad abstellen...

 

 ...und in die richtige Richtung weiter laufen.

 

Da ist der kleine Läufer wieder... und ab geht's zur Zielgeraden.

 

Wir freuen uns für den Sohn, daß er diese Anerkennung für seine Leistung bekommen hat. Ohne irgendwelche Vorbereitung unter die ersten drei zu kommen, das ist schon was! Aber viel mehr freue ich mich über seine Entschlossenheit, sein Durchhaltevermögen und last but not least, den Spaß, den er dabei hatte. Denn von einer Sache bin ich überzeugt: hat man Freude an dem, was man tut, stellt sich der Erfolg über kurz oder lang fast von alleine ein.

 

Und wie war das noch? Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur ungeeignete Kleidung ;-).

22 August 2014

Im Rausch der Gefühle


Gerade rechtzeitig, nachdem sich meine Stoffvorräte vom letzten Mal restlos aufgebraucht hatten, gab es den nächsten Stoffmarkt. In der Hoffnung auf einen nahen Parkplatz war ich viel zu früh auf dem Stoffmarkt in der Stadt. Teilweise waren die Händler noch dabei, ihre Waren auszustellen. Dieses mal war ich klüger und hatte nicht vor, mich an den Stoffen kaputt zu schleppen - ich nahm kurzerhand den Sackkarren mit ;-).

Nach drei!!! Stunden, und am Ende der Tour erschöpft aber glücklich, gönnte ich mir mit den letzten Kröten aus dem Portomonaie einen Snack. Ob mit oder ohne Sackkarre - ich bin erledigt!

 
 Kunterbunte Baumwollstoffe


Kuschelweiches Feincord


Nochmal in blumig gemustert


Diese Spulen passen normalerweise nicht auf meine Nähmaschine, aber ich mache sie passend ;-). Mir sind die kleineren Spulen definitiv zu teuer. Seit über zehn Jahren nutze ich nur noch die Großen.

dekorative Webbänder

 
Dringend benötigt wurden Stoffmalfarben.


Und natürlich durften auch dieses Mal meine geliebten Leinenstoffe nicht fehlen. 

Und sonst so?? 


Und mit rauschenden Gefühlen geht es weiter. Hier purzeln bald im 2-3 Wochenabstand nacheinander unsere Geburtstage. Den Reigen eröffnet der Herr des Hauses. Die kleinen Herren haben gebastelt und gemalt. Und die Mama hat gekocht, gebacken und neben anderen feinen Dingen eine schön lustige Collage der kleinen Herren für das Büro des Mannes hergestellt - damit er nie aus dem Blick verliert, für wen er all die Strapazen auf sich nimmt ;-). Der rote Teppich ist ausgerollt, wir warten: Rrrrroar! Happy Birthday, geliebter Löwe! Wir freuen uns auf dich!!

18 August 2014

Wechsel


 

Mit einem Mal kühle 16°C. Pladderregen wie aus Kübeln. Ich liebe Wasser. Mir ist es egal, ob das kühlende Naß von oben oder unten kommt.

 

Schön, so ein Starkregen! 

Die Hitze dieses außergewöhnlichen Sommers werden wir in diesem Jahr wohl nicht mehr bekommen. Die Zeichen sind eindeutig: der Herbst steht vor der Tür.


Nichts los. Sogar der kleine Kiosk hat zu.

 

An solchen Tagen steht fest: das Freibad ist mein! 

 

Mit zu Boden gehendem Laub stürze ich mich ins Wasser

 

und tauche ein. Schwimme ohne Punkt und Komma. Stundenlang.