02 Mai 2016

Abla heißt Schwester auf Türkisch, oder wie ich zu meinen Brüdern kam

Ach, meine Lieben... wo bitte soll ich anfangen, und wo aufhören? Die kleinen Herren waren Stunden zuvor schon so aufgeregt, als würden sie Einhörnern begegnen. Vielleicht lag das auch daran, daß das Thema Flüchtlinge in unserem Haus zum Dauerthema avanciert ist. Unseren wöchentlichen Einsatz am Bahnhof haben wir zwischenzeitlich beendet - es kommen so gut wie keine Flüchtlinge mehr. Auch wenn mir das mit unseren Kindern eine Herzensangelegenheit war dort vor Ort mitzuhelfen, so kam mir das alles doch sehr wie ein Tropfen auf den heißen Stein vor. Einmal die Woche hatten wir für einige Stunden losen Kontakt zu den dort Gestrandeten. Jedes Mal waren es andere Menschen, die den Bahnhof füllten. Damals trafen wir den jungen Ferdi aus Afghanistan. Er war mit weiteren jungen, Heranwachsenden unterwegs. Im Eifer des Gefechts dachte ich nicht daran, mir ihre Telefonnummern einzuspeichern. Und als es mir einfiel, war es zu spät. Zwar suchte ich Ferdi noch Wochen später, aber es gelang mir nicht mehr, ihn und seine Freunde ausfindig zu machen. Bei meiner Suche erfuhr ich von einem sehr feigen Brandanschlag auf eine der Erstaufnahmeeinrichtungen für unsere Region. Eine neunköpfige Familie mit sieben Kindern kam zum Glück mit dem Schrecken davon. Unvorstellbar, wie es sich anfühlen muß, wenn man so viel Grauenhaftes schon hinter sich hat, sich dann in Sicherheit wähnt, und nach Krieg und Terror mitten in Deutschland so etwas erleben darf. Menschen, die solche Greueltaten verüben sollen zur Hölle fahren, und andere die das bejubeln sollten sich in Grund und Boden schämen. Das ist durch NICHTS zu entschuldigen.

Vorgestern hatte der Himmel sie uns geschickt. Und prompt mündete das in einem sehr spontanen Restaurantbesuch. Sie kamen pünktlich. Berührungsängste, oder eine Scheu voreinander gab es zu keinem Zeitpunkt. Wir haben sofort angefangen uns in drei Sprachen ohne Punkt und Komma zu unterhalten, so daß es ewig gedauert hat, bis die Bestellungen aufgegeben werden konnten. Es war so viel an Informationen, daß mir heute noch der Kopf schwirrt. Fotos haben wir gesehen von ihren Familien. Von den Eltern, den Geschwistern, weiteren Verwandten, Ehefrauen und auch von kleinen Kindern durften wir erfahren. Nur einer ist unverheiratet. Dafür fällt mir einer der drei A's auf. Es gibt ja Menschen, die strahlen wie nur was. Ich bin mir sicher, wenn man A. in einen finsteren Raum stellen würde, es wäre alles taghell erleuchtet. Unglaublich, wie der strahlen kann... Insgeheim nannte ich ihn das Licht - ohne zu dem Zeitpunkt zu ahnen, daß das die tatsächliche Bedeutung seines wunderschönen Namens ist...

Ihre Geschichten haben mich sehr berührt, ebenso ihre Entschlossenheit, es hier beruflich zu etwas zu bringen. Ihr Lernwille ist beeindruckend. Die werden ihre Chancen nutzen, so viel ist mal klar. Fast alle haben ein abgeschlossenes Studium hinter sich, oder einen Beruf. Einer von ihnen überbrückt die Wartephase und macht in der Zwischenzeit einen Online-Sprachkurs. Und ich bin fassungslos, wie gut sie schon die hiesige Sprache beherrrschen. Und das in kaum mehr als neun!!! Monaten. Das ist unfassbar gut.

Die meiste Zeit habe ich mich mit T. unterhalten. Er beherrscht ein exzellentes Türkisch in Wort und Schrift. Er erklärt mir, daß Syrisch und Türkisch miteinander verwandt seien, und es daher nicht sonderlich schwer gewesen wäre, die Sprache so gut zu erlernen. Aha! Das Phänomen kenne ich ja auch von vielen Holländern, die oftmals fließend Deutsch sprechen - umgekehrt habe ich das noch nie so in Perfektion gehört. Ebenso habe ich noch keinen Türken getroffen, der syrisch spricht. Nun gut. Er erklärt mir, daß die wenigsten Syrer ihr Land verlassen könnten, weil es sehr viel Geld kosten würde, herzukommen. Er erklärt mir, daß Ingenieuere zu den Bestverdienern des Landes zählen. Sie würden in etwa 200 Dollar monatlich verdienen. Sein Vater ist Ingenieur. Für alle anderen wäre das ein aussichtsloses Unterfangen. Die müßten sich dann von Eigentum trennen, Hab und Gut veräußern. Sein Vater möchte Syrien nicht verlassen. Das ist seine Heimat. Dort, hat er erklärt, bleibt er - so oder so.

Im Laufe des Abends erfahre ich ihre genaue Adresse hier. Es ist tatsächlich ziemlich genau da, wo es meine Mutter vor über vierzig Jahren hinverschlagen hatte. " Hier sagt man: Ihr seid am A.... der Welt!", sage ich. "Also am Popo", füge ich erläuternd hinzu. Es gibt viel Gelächter, als man versteht.  Da gibt es NICHTS. Keine Einkaufsmöglichkeiten sowieso. Dafür muß man ewig mit dem Bus fahren. Wir sprechen hier von Tagestouren. "Da könnt ihr euch vermutlich nur Kühe anschauen", sage ich. "Es gibt dort nicht einmal Kühe", sagt einer. Erneut brandet Gelächter auf. Zu Sechst bewohnen sie drei Zimmer. Wir werden es bald sehen. Denn noch diese Woche habe ich vor, dort hinzufahren.

Es war ein wundervoller Abend, die Zeit verging wie im Flug. So viel Respekt, Herzlichkeit und Offenheit habe ich selten erlebt. Das wird eine Fortsetzung geben. Und wir freuen uns sehr darauf. Ich habe nun vier Brüder, die mich irre stolz und glücklich machen. Und sie haben eine Schwester, die ihnen helfen wird, wo sie kann. Egal, wohin es sie eines Tages verschlagen wird, wir werden den Kontakt beibehalten. Und bis dahin machen wir einfach das Beste aus der uns gegebenen Zeit.

01 Mai 2016

Heute machen wir blau!

Die Wetterkapriolen in dieser Woche waren schier unglaublich: nahezu jeden morgen war Scheibenfreikratzen angesagt. Es gab dicke Schneeflocken, Dauerregen, Hagel und Gewitter. Und heute zur Eröffnung der Freibadsaison gab es völlig unerwartet dann das:

 

Bei 11°C Außentemperatur haben wir uns Richtung Freibad aufgemacht. Das Wasser hat immerhin muckelige 23°C. Da kann man sich nun wirklich nicht beschweren. Und selbstredend kam Herr Mautz mit - schließlich ist heute freier Eintritt ;-)...

 

Von Jahr zu Jahr wird er bekannter. Inzwischen kennen ihn viele Menschen schon mit Namen, strahlen, wenn sie ihn von weitem sehen und rufen seinen Namen.

 

Nach einer Stunde im Wasser war ich unterkühlt genug, um wieder raus zu gehen. Die kleinen Herren haben sich im Kleinkindbecken bei tropischen Wassertemperaturen wieder auftauen lassen.

 

Draußen vor dem Eingang hatte sich bereits eine Menschentraube um den wartenden Herrn Mautz gebildet. Zum Glück versucht ihn keiner zu streicheln, denn fremden Personen gegenüber ist Herr Mautz sehr zurückhaltend. Jetzt gibt es erst mal eine Kanne Tee. 

Habe ich euch schon gesagt, wie sehr ich mich auf heute Abend freue?! 

30 April 2016

Nur ein Lächeln

Heute Abend holte ich meinen Mann am Bahnhof ab, der dann kurz noch etwas einkaufen wollte, während ich im Auto wartete. Ich schaute aus dem Wagen und sah einen Mann, ähnlich ergraut wie ich, aber doch um einige Jahre jünger. Ich lächelte, er lächelte. Plötzlich sah ich meinen Bekannten, den ich vom Schwimmen kenne. Wir begrüßten einander, während der Grauhaarige ihm plötzlich folgte. 

"Was machst du denn hier?", frage ich, weil er eigentlich ganz woanders wohnt. "Bist du morgen da?" "Ja!", sage ich. Morgen macht das Freibad auf. Wir haben noch vor wenigen Tagen Eis von den Windschutzscheiben gekratzt, aber wenn das Freibad aufmacht, dann kennt der Indianer keinen Schmerz. Ob ich werde schwimmen können, wage ich zu bezweifeln. Aber ich werde mich mal in das Wasser stürzen und etwas herumtreiben. 

Während wir uns  unterhalten kommen nach und nach weitere Männer und gesellen sich zu uns. "Ich fahre sie zum Einkaufen und helfe ihnen!", sagt mein Bekannter. Nach und nach stellen wir uns einander namentlich vor. "Die müßt ihr kennen lernen", sagt der Bekannte und deutet auf mich. "Sie ist cool!" Ähem... Vier Männer aus Syrien schauen mich freundlich an. Sie wurden im hinterletzten Kuhkaff untergebracht, wo nahezu nichts an Zivilisation erinnert. Genau dort, wo meine Mutter vor  über vier Jahrzehnten strandete. Wir sprechen Englisch, einige Brocken mit deutschen Wörtern bringen sie ein, und dann... sprechen Zwei plötzlich fließend meine Muttersprache. Ich bin völlig perplex. Unsere Stimmen überschlagen sich vor Aufregung, vor Freude, vor Neugierde...

Morgen Abend gehen mein Mann, unsere Kinder und ich mit unserem Bekannten und vier Syrern ins Restaurant, von deren Existenz wir vor wenigen Stunden noch nichts wußten. Ich bin aufgeregt und freue mich sehr darauf, diese Menschen näher kennen zu lernen. Was ein Lächeln doch bewirken kann... Sollte man ruhig öfter tun ;-). 

Ich wünsche euch allen einen schönen ersten Maifeiertag. Habt es fein, wie immer ihr ihn verbringen wollt.

24 April 2016

Zwischen dunkelgrauen Wolken, Schneefall und Regenschauern

Ich für meinen Teil kann nur sagen: "Ne, was bin ich froh, daß ich die Fenster erst mal nur von Innen geputzt habe!" Erlebt ihr auch gerade so ein verrücktes Wetter vor der Haustür? Sehr frisch ist es wieder geworden...

 

Die kleinen Herren hatten täglich viel Spielbesuch da. Das Haus war wie so meist voller Kinder,  während ich aufgeräumt und geputzt habe. Was soll ich sagen: da habe ich doch völlig überraschend einen Teil der Weihnachtsgeschenke für den Jüngsten wieder gefunden. Ähem... Meine Verstecke sind inzwischen besser als mein Gedächtnis... Das Schätzchen hat sich sehr gefreut, versank in den neuen Büchern und ward nicht mehr ansprechbar ;-).

 

Irgendwann gerieten sie nach fast einer Woche wieder in mein Sichtfeld.

 

Ach ist das unglaublich! Da tut sich ja schon mächtig was in den Minigewächshäuschen.

 

Die Duftveilchen keimen fleißig. Nicht mehr lange, und es wird eng werden hier...

 

Am weitesten fortgeschritten sind die Sämlinge der Schleifenblume. Das freut mich so sehr. Ich kann es kaum abwarten, sie noch mehr wachsen zu sehen und demnächst auszupflanzen.

 

Die Blüten unserer Pflaumenbäume öffnen sich langsam.

 

Im vergangenen Sommer kaufte ich ein Töpfchen mit wunderschönen Lilien der Sorte "Crimson Pixies". Ehrlichgesagt habe ich nicht damit gerechnet, daß sie es schaffen würde nach dem Winter im Topf, wieder hervor zu kommen. Ich freue mich sehr auf ihre kräftigen, kurzstieligen wunderschönen Blüten in karminrot. Die sehen aus wie ein Feuerwerk, an dem meine Augen sich kaum sattsehen können.

 

Auf unseren Beeten sieht man noch verhältnismäßig viel nackte Erde - Friedhofserde nennt mein Mann das und hat eine große Aversion dagegen. Also mußten im vergangenen Jahr Bodendecker her. Auf Ysander und die Dreiblattgolderdbeere fiel meine Wahl. Und ich muß gestehen, daß ich diese kleinen, strahlend gelb leuchtenden Blüten sehr mag. Ich hoffe, daß sie sich dieses Jahr ins Zeug legen und ordentlich die Beete zuwuchern.  

Ich wünsche euch allen einen schönen Wochenstart morgen - auch wenn die Temperaturen erst zum kommenden Wochenende etwas steigen werden. Bis dahin habt es fein!

19 April 2016

Die Saat

So lange ich denken kann, war ich umgeben von Menschen, die sich in der Natur sehr wohlfühlten und das auch in mannigfaltiger Weise stets zum Ausdruck brachten. Es gab Familie, die mit Hingabe ihr Land bewirtschaftete, teilweise schwer dafür schuftete. Ich erinnere mich an meine babaanne Leyla, die mit über neunzig Jahren noch gebeugt auf dem Acker stand, und die Kartoffeln mit ihren Händen ausbuddelte, die man bei der Ernte übersehen hatte. Einzelne Familienmitglieder züchteten Blumen, was ich als Kind ungeheuer spannend fand - wenn ich so drüber nachdenke hat sich das bis zum heutigen Tage nicht geändert.


Später in Deutschland hatten wir keinen Garten. Einige Jahre später pachteten meine Eltern einen Schrebergarten, in dem wir regelmäßig Zeit miteinander und Freunden verbrachten.

Ich erinnere mich daran, daß mein Vater eines Tages einen ganz besonderen Baum kaufte und ihn mit viel Bedacht einpflanzte. Er hegte und pflegte diesen Baum, bis er eines Tages entsetzt sah, daß jemand den oberen Trieb einfach gekappt hatte.  Was denn das für ein Depp gewesen sei, schimpfte er. Ich wurde hellhörig... und schämte mich, als ich betreten zugab, daß ich das gewesen war. Ich wollte so gerne einen Ableger heranziehen... Mein Vater schüttelte den Kopf und sagte: "So geht das nicht, mein Kind!" Dann aber nahm er sich immer wieder Zeit, um mir zu zeigen, wie man Bäume veredelte. Ich war unendlich fasziniert davon, daß wir auf diesem Wege einen Apfelbaum mit mehreren Fruchtsorten daran hatten. 

Als ich ausgezogen war, kauften meine Eltern ein Haus - mit Garten. Innerhalb weniger Jahre entstand ein Traumgarten mit so vielen Blumensorten, daß ich sie nie zu Ende zählen und auflisten konnte. Heerscharen von Menschen kamen immer wieder vorbei, um sich von diesem wilden Blumenreich betören zu lassen. Waren die Blumen in einer Ecke verblüht, fing die Pracht in einer anderen Ecke an zu explodieren. Ich besuchte meine Eltern sehr oft an den Wochenenden und liebte es, durch diesen Garten zu lustwandeln. Was für segensreiche Glücksgefühle er in einem auslösen konnte... Wann immer wir in ihm arbeiteten oder uns entspannten waren wir voller Dankbarkeit und Demut.

Heute hat sich dieser Garten sehr verändert. Er wurde unseren Bedürfnissen mit einst kleinen Kindern angepaßt. Obwohl unsere Kinder damals noch sehr jungs waren, können sie sich gut an den ursprünglichen Garten erinnern. "Mama, damals war es sooo schön in Dede's Garten!" Ich muß dann schmunzeln und erkläre ihnen meist, daß ich es  zeitlich niemals geschafft hätte, diesen Garten in seiner Vielfalt so weiter zu führen und zu erhalten.

 

Gerne sammle ich im Herbst die Samen etlicher Pflanzen ein und versuche mein Glück darin, sie auf diesem Wege weiter zu vermehren.

 

Und wenn sich dann tatsächlich irgendwann sichtbar gewordenes Leben zeigt, dann bin ich unglaublich glücklich und tief bewegt, voller Dankbarkeit und Demut... nicht nur wegen dieser Pflänzchen, sondern für mein ganzes bisheriges Leben. Kann das jemand verstehen?

In seiner eigenen Seele trägt der Mensch die Saat, daraus er all sein Frohes und sein Leides zieht. (Sokrates)

17 April 2016

Best friends

Reichlich Menschen haben in meinem Leben meinen Weg gekreuzt: die einen kamen, andere gingen, wiederum andere blieben. Es sind Freundschaften entstanden, die seit vielen Jahrzehnten Bestand haben. Auch wenn man sich nicht ständig sieht und es manchmal ein Jahrzehnt oder länger gar keinen Kontakt gegeben hat, so stimmt die Wellenlänge und es ist, als sei man erst kürzlich auseinander gegangen und hätte sich bald darauf wieder getroffen.


Gestern habe ich meine beste Freundin aus Kindertagen und meinen Anfängen in Deutschland wieder getroffen. Vor über vierzig Jahren, nach unserem Umzug in eine größere Altbauwohnung, lernten wir uns im selben Gebäude wohnend kennen und lieben. Wir waren meist unzertrennlich. Nur als sie irgendwann den ersten Freund hatte, zog ich mich naturgemäß etwas zurück. Aber ansonsten waren wir wohl nahezu immer zusammen, teilten alles miteinander.

Sie verschlug es irgendwann nach Baden-Württemberg, mich nach NRW. Wir verloren einander aus den Augen. Auch wenn ich immer wieder an sie dachte, bekamen wir keinen Kontakt mehr zueinander. Unsere Eltern waren ebenfalls verzogen, und so erfuhren wir nichts mehr auf diesem Wege voneinander. Ganz selten hörte ich bei meinen Besuchen im Norden über drei Ecken etwas über sie. Verheiratet sollte sie sein und Kinder haben. Aber Wohnort oder Näheres war damals nicht herauszubekommen.

Irgendwann entsann ich mich, daß ihre Schwester eine große Sportlerin war und stets an bedeutenden Meisterschaften teilgenommen hatte. Und wenn man sonst kaum jemanden findet, im Internet habe ich noch jeden wieder ausgegraben. Über die geführten Listen der Sportlerinnen gelangte ich an die Schwester, die welch ein Glück, einen Doppelnamen führte. Darüber gelangte ich zu ihrem Mann, der aufgrund seiner Selbständigkeit mit Telefonnummer im Internet gut aufzufinden war. Ich rief an und schilderte, wen ich suchte. Die Schwester wußte mich sofort einzuordnen, und so hatte ich endlich Kontaktdaten, um mich mit meiner besten Freundin von einst kurz zu schließen. Die Freude am Telefon war riesig. Als wären wir nie auseinander gewesen... Auch sie hatte immer wieder vergeblich versucht, mich zu finden.

Manchmal verliert man jemanden aus den Augen, aber nie aus dem Herzen.

Als meine Kinder noch kleiner waren, da war es schwierig, uns in der kurzen Zeit zu treffen, wenn sie im Norden war. Von ihren erneuten Besuchsplänen erfuhr ich vor wenigen Wochen. Der Vater, inzwischen ein deutlich älterer Herr, lag mit einer ernsten Geschichte im Krankenhaus. Nach ihrem Besuch dort wollten wir uns treffen. Soviel stand fest. Ich dachte an ihren Vater, der mich als kleines Mädchen immer liebevoll und lachend "Hexe" nannte. Spontan bat ich sie, ihn zu fragen, ob ich ihn nicht auch besuchen dürfte. Kurze Zeit später gab es grünes Licht. Er würde mich großer Freude erwarten, so hieß es.

 

Mit einem Blumenstrauß fuhr ich zügig in die Stadt. Ach, was soll ich sagen... es war so bewegend, als wir uns vor dem Krankenhaus in die Arme fielen. Und auch ihren Vater wieder zu sehen, erfüllte mich mit großem Glück. Und ich glaube zu wissen, daß es ihm ebenso ging. Vielleicht verhält es sich so, daß man auch für andere Väter etwas übrig hat, wenn man den eigenen so sehr liebt.

  
Auf dem Rückweg haben wir den Ort aufgesucht, in dem das riesige, alte Gebäude von einst stand, in dem wir einen Teil unserer Kindheit und Jugend miteinander verbracht hatten. Obwohl die Gebäude viele Jahre unter Denkmalschutz standen, wurden sie dann doch abgerissen. Für uns war das ein totaler Schock damals. Als hätte jemand versucht, einen Teil unserer Vergangenheit auszuradieren... Heute steht dort ein Verwaltungsgebäude. Viele viele Kastanienbäume, riesige Rhododendrenbüsche, die wunderschöne Parkanlage, das gigantische Denkmal, der Kinderspielplatz, mußten weichen. Und doch, gab es noch die wenigen Kastanienbäume, die bleiben durften. Ziemlich sentimental haben wir sie uns ehrfurchtsvoll angesehen und ihre Stämme gestreichelt . Wir konnten uns genau erinnern, zwischen welchen Bäumen wir Fahrrad fuhren, wo wir Federball spielten..., wo genau unter den nicht mehr vorhandenen Riesenbüschen, wir unsere Höhlen ausstaffierten...  Und der Sicherungskasten im Eingangsbereich... wo wir codierte Nachrichten füreinander hinterließen. So viele Erinnerungen kamen wieder hoch...

Ein guter Freund kennt alle deine Geschichten. Dein Bester hat sie alle mit dir erlebt. 

 

Später schlenderten wir am Hafen entlang. Lachend haben wir festgestellt, daß wir Kinder des Wassers sind. Als wir in Baden-Württemberg und NRW waren, da fehlte das "Wasser" fürchterlich. 

 

Der Kaffeeduft lockte uns, und da es ziemlich windig war, setzten wir uns rein und blickten von dort aus auf das Wasser.


Unter diesen schönen Leuchten tauschen wir noch manch eine Erinnerung aus. Ach, es war herrlich, mit meiner "Weißt du noch-Freundin"... Bemerkenswert finde ich übrigens auch, daß sie seit langen Jahren mit einem Landsmann von mir glücklich ist, so wie ich mit einem Landsmann von ihr durch das Leben gehe. Und der Witz überhaupt: Trotzdem wir schon seit Jahrzehnten mit unseren Partnern leben, haben wir sehr viel später, aber fast zur selben Zeit, geheiratet.

 

Nach einem Schlendergang durch die Stadt haben wir uns sehr herzlich voneinander verabschiedet. Nächstes Jahr sehen wir uns wieder. Dann macht sie mit ihrer Familie Urlaub im hohen Norden.

 

Tief bewegt und glücklich bin ich am Abend nach Hause gefahren.

Wie schaut es bei euch aus? Habt ihr noch "Weißt du noch-Freunde"? Wie geht es euch damit?

Habt ein feines Wochenende!

15 April 2016

Dit & Dat

 

Als ich kürzlich zum Einkaufen ging, habe ich diese wunderschönen blütenreichen Zweige über meinem Haupt ausgemacht. Das hat mir beste Laune für den Rest des Tages beschert.

 

Herr Mautz hat mich bis zur Hauptstarße begleitet. Dort blieb er abrubt stehen als er fahrende Autos sah und meldete sich mit Geschrei bei mir ab, ließ sich noch etwas tätscheln und ging wieder zurück. Bin immer wieder erstaunt, wie klug und vorsichtig er doch ist. Braver Kater! So bleibt er uns hoffentlich noch viele Jahre erhalten.

 

Unterwegs habe ich viele aufgehende Knospen und Blüten gesehen. Ach, wie gut das tut! Es wird, es wird...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was für eine schöne Umarmung - wenn auch eine etwas Amputierte.

 

Habe ihm spontan einen Besuch abgestattet. Er hat sich sehr darüber gefreut, so daß wir uns recht lange angeregt miteinander unterhalten haben. Kurz bevor ich mich verabschiedete, bekam ich diese Schnecke geschenkt.

 

Seitdem kann ich gar nicht mehr aufhören, sie zu befühlen und mit meinen Fingern ihren Kurven zu folgen. Was für ein beeindruckendes Handwerk!

 

Nach Stunden der Abwesenheit wurde ich bereits erwartet. Der Süße..., so ein treuer Gefährte. Es gab Streicheleinheiten satt.

 
Zuhause gesehen, daß nur ein einziger Ableger einer Bauernhortensie überlebt hat. Die anderen haben es leider nicht geschafft.

 

Samentütchen wieder entdeckt und aus einer Schublade rausgekramt. Die müssen bald mal unter die Erde.

 
  
Habe mich dem fleißigen Treiben vor dem Küchenfenster mal wieder nicht entziehen können. Sie sammeln unablässig das Moos aus dem Rasen auf und polstern damit ihr Nest.

 

Sind sie nicht entzückend?! Bin schon sehr gespannt, wieviel Nachwuchs es dieses Jahr geben wird. Wenn es soweit ist, bekommt der Herr Mautz Fußfesseln ;-). Was ich mit den anderen Katzen aus der Nachbarschaft anstelle, das weiß ich noch nicht. 

Habt ein feines Wochenende!